Paralympics-Tagebuch (7) : Der coolste Job der Welt

Nachwuchsjournalistin Franziska Ehlert hat's nicht leicht. Sie schäft wenig, friert oft und muss lernen, sich als Reporterin durchzusetzen. Deswegen verliert sie aber noch lange nicht die Nerven...

Franziska Ehlert[Vancouver]
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In der "Mixed Zone". Franziska Ehlert (l.) und Tassilo Hummel im Gespräch mit Martin Braxenthaler. -Foto: Thilo Rückeis

Das Leben ist hart, und das Leben als Journalist erst recht - so viel steht für mich nach sechs Tagen Arbeit in der Redaktion der Paralympics Zeitung fest. Wer nicht rennt und boxt, bekommt kein Interview, wer nicht improvisieren kann, kommt nicht zum Ziel. Es ist ärgerlich, wenn man nichts schreiben kann oder nicht gedruckt wird, es ist anstregend, um elf Uhr abends ins Bett zu gehen und um fünf Uhr morgens aufzustehen, es ist mehr als unangenehm, mit eisigen Füßen gefühlte Jahrzehnte an der Piste zu stehen, aber es ist vor allem eins: Der coolste Job der Welt.

Ich bereue keine Sekunde, die ich auf die Bewerbung und die Vorbereitung des Projektes verwendet habe, denn das hier erleben zu dürfen, grenzt an unfassbares Glück. Allein die Menschen, die einem hier jeden Tag begegnen, liefern genug Stoff für einen Roman. So zum Beispiel der Busfahrer aus Alabama, der uns einlud, ihn zum Barbecue zu besuchen, oder all die freundlichen Volunteers in ihren blauen Jacken, die immer ein Lächeln auf den Lippen haben und versuchen, einem so gut wie möglich zu helfen.

Einzigartig ist auch die Stimmung bei den Wettkämpfen. Für jede Nation wird gejubelt, denn jeder Sportler vollbringt eine bewundernswerte Leistung, egal, woher er stammt und welchen Platz er erreicht. Allgegenwärtig im Getöse des Publikums sind die Kuhglocken der Schweizer, die neben ausladenden Mexikanerhüten und gigantischen Kanadaflaggen jeden Sportler im Ziel begrüßen.

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Improvisationstalent. Die 18-jährige Schülerreporterin Franziska Ehlert aus Henningsdorf - ausnahmsweise mal nicht frierend. -Foto: Thilo Rückeis

„Catch me if you can“



Wir halten uns während der Wettkämpfe in der „Mixed Zone“ auf, die, mit kleinen blauen Zäunen abgetrennt vom Fanbereich, nur für Journalisten zugänglich ist. Hier Reihen sich Kameras und Fotoapparate aneinander, als hätte man sie auf eine Schnur gefädelt. Journalisten drängen sich über die niedrige Absperrung, um die Sportler zu erhaschen. Und mittendrin bin ich, leicht gequetscht, auf der Suche nach guten Zitaten für unsere Zeitung.

Wer eine Auszeit braucht, wärmt sich im Press-Center auf. Hier stehen Tische und eine Internetverbindung zum Arbeiten zur Verfügung, eine wohltuende Suppe kann für vier Dollar erworben werden. Es gibt Tee und Kaffee: Kurzum, all die Dinge, die einem eingeschneiten Reporter bei den Winterspielen das Leben retten und ihn bereit machen für die nächste Runde „Catch me if you can“.

Dass die Mühe sich gelohnt hat, stellt man spätestens dann fest, wenn man die gedruckte Zeitung in der Hand hält - auch, wenn mal kein eigener Artikel erscheint. Es kommt darauf an, ein echtes Team zu sein, in dem jeder jeden unterstützt, denn auf die Weise gehört auch jedem ein Stück des Erfolges.

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