Paralympics-Tagebuch (9) : Viel Gute Laune - und jetzt auch noch Sonne

Schülerreporterin Anne Balzer hadert mit ihrem Orientierungssinn. Doch das ist bei den Paralympics kein Problem: Überall gibt es freundliche Menschen, die ihr weiterhelfen.

Anne Balzer[Vancouver]
Paralympics 2010 - Biathlon
Immer gut drauf. Andrea Eskaus Fröhlichkeit ist hochgradig ansteckend. -Foto: dpa

Endlich scheint die Sonne! Da strahlt Vancouver gleich noch viel mehr, und die zwei Stunden Fahrt nach Whistler vergehen wie im Flug. Die ganze Zeit klebe ich förmlich mit meiner Kamera an der verdreckten Busscheibe, versuche die Kulisse einzufangen. Die Berge mit ihren glänzenden Schneekuppen, das glitzernde Wasser - einfach genial.

Dabei bin ich froh, dass ich heute überhaupt im Shuttlebus sitze. Das wäre nämlich fast schief gegangen. Meinen Zwischenstopp, den Waterfrontbahnhof, verlasse ich irgendwie nicht durch den Hauptausgang. Dann hätte ich den Weg genau gekannt. Ich habe keinen Orientierungssinn, das weiß ich schon lange. Aber so schlecht?  Ich mache mich einfach mal auf den Weg, im guten Glauben den "B.C.-Place" schon zu finden. Nette Leute weisen mir den Weg, ich wundere mich zwar das ich keine Häuser wieder erkenne, aber naja: wird schon stimmen. Ausgerechnet heute habe ich auch noch meinen Stadtplan vergessen! Zum Glück stellt sich eine Infosäule samt Karte in meinen Weg - und zeigt mir, dass ich völlig falsch bin. Ich habe "Canada Place" und "B.C. Place" verwechselt. Wie konnte das passieren?

Verzweifelt frage ich einen vorbeikommenden Mann wie ich denn jetzt noch meinen Bus erreiche. "Ach da haben sie noch Zeit. Nehmen sie jetzt einfach diesen Zug hier, steigen bei der "Waterfrontstation" aus, und dann ist es nicht mehr weit". Ja, das dachte ich heute schon einmal. Diesmal klappt es aber wirklich - und ich renne die letzten Meter zu meinem Bus. Die anderen sitzen schon darin, ich habe es gerade noch geschafft. Das super Wetter, der tolle Ausblick machen jeden Stress wieder gut.

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Einzigartig. Schülerredakteurin Anne Balzer aus Forst ist begeistert vom "Spirit" der Spiele. -Foto: Thilo Rückeis

Die Freude ist ansteckend, ich vergesse meine eigenen kleinen Probleme total



Eigentlich kann man hier auch gar keine schlechte Laune bekommen. Gestern hatten unsere Athleten den totalen Medaillenrausch! Zweimal Gold, dreimal Bronze - unglaublich! Darunter Andrea Eskau als Dritte beim sitzenden Biathlon. Als sie ein paar Tage zuvor zehnte war, strahlte sie über das ganze Gesicht. Wie wird das dann wohl jetzt erst sein? Tassilo und ich machen uns schnell auf, um sie in der "Mixed Zone" zu treffen. Da kommt sie, ein breites Lachen auf dem Gesicht - sie ist überglücklich! Jeder der ihr über den Weg läuft bekommt eine dicke Umarmung. Ich will ihr nur gratulieren, da sitze ich gleich halb mit auf dem Rollstuhl! Die Freude ist ansteckend, ich vergesse meine eigenen kleinen Probleme total. Wenn ich Depressionen hätte, würde ich fünf Minuten zu der Diplompsychologin gehen, und danach wahrscheinlich Kraft für ein Jahr getankt haben.

Aber nicht nur der Kontakt mit den Athleten macht Spaß. Alle Leute sind superfreundlich, jeder der "Blue Jackets" - der freiwilligen Helfer - hat ein nettes Wort auf den Lippen. Heute Morgen gehe ich in Gedanken vertieft in das Media Center in Whistler. Da höre ich eine Stimme, der Akkreditierungskontroleur hat irgendwas gesagt. War es wichtig? Ich drehe mich um. "How are you?", wiederholt er schmunzelnd. Oh! Ja klar, gut. Danke! "Ein toller, sonniger Tag, nicht wahr?". "Ja, perfekt", antworte ich verstört. Ich bin wirklich kein griesgrämiger Mensch, aber diese "Gute-Laune-Junkies" überraschen mich immer wieder. Ein paar davon würde ich mir gerne einpacken und mit nach Hause nehmen, für schlechte Zeiten, wenn es mal nicht gut läuft. Dann werde ich mich auch immer an diese tollen zwei Wochen erinnern. An die Landschaft, Vancouver, die Athleten, die einzigartige Stimmung und den besonderen "Spirit" der Spiele.

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