Sport : TAKTIK Tafel

Es ist bestimmt nicht übertrieben, in Tunesien einen Geheimfavoriten der WM zu sehen. Der Stil dieses Teams ist gleich doppelt geprägt: durch die jugoslawische Schule von einst und französische Einflüsse. Verantwortlich dafür ist zum einen der aktuelle Nationaltrainer Zoran Zivkovic, der die Arbeit seines Vorgängers Sead Hasanefendic fortsetzt. Andererseits spielen die tunesischen Stars in Montpellier und Toulouse. Technisch perfekt, sehr individuell ausgeprägt und offensiv ausgerichtet, so präsentieren sich die Spieler bei ihren Auftritten. Gegen Deutschland wird das zur Folge haben, dass eine aggressive 5:1-Deckung das probate Mittel ist. Bei einem 6:0 käme das dem Team von Heiner Brand entgegen. Gegen diese Variante kann die Mannschaft unter Druck spielen, das ist sie gewohnt. Aber das weiß so ein Mann wie Zivkovic natürlich. Die Tunesier werden daher wohl mit einem 5:1 auf die deutschen Rückraumspieler auf den Halbpositionen, Pascal Hens und Holger Glandorf, Druck ausüben. Diese Ausrichtung bringt verstärkt die Außen ins Spiel. Dass sie ständig auf ihre Konterchance lauern, ist normal. Sie sind die Sprinter in der Mannschaft, und der deutsche Torhüter Johannes Bittes kann einen sehr genauen, weiten Pass spielen. Aber auch die Tunesier sind sehr schnell, werden sich da kaum überraschen lassen. Vom deutschen Regisseur hängt es wesentlich ab, aber auch vom Verhalten der permanent unter Druck stehenden Halbspieler, dass die Außen in freie Wurfpositionen kommen. Die Angriffe werden in die Breite gezogen. Deutschland hat mit Torsten Jansen und Christian Sprenger zwei schnelle Aktive links und rechts, die routiniert, wurfsicher und trickreich sind. Ein wenig erwarte ich ohnehin, dass es die WM von Sprenger werden könnte. Das setzt natürlich voraus, dass er sich im Spiel gegen Russland nicht allzu schwer verletzt hat.

Zur WM erklärt Jörn-Uwe Lommel an dieser Stelle Spielweisen im Handball.

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