Taktikschule : Bochums Grauzone

Bochums neuer Trainer Herrlich will seiner Mannschaft eine neue Taktik einimpfen: schneller und mit mehr Pässen soll sie spielen. Doch die Lücke im Mittelfeld ist dafür einfach zu groß, meint Mathias Klappenbach.

Mathias Klappenbach

Vor allem im Abstiegskampf wächst bei einer Negativserie die Sehnsucht nach einem Erweckungserlebnis. Oft soll dies ein Trainerwechsel sein. Beim VfL Bochum hat er zunächst nichts Zählbares gebracht, nach zwei Niederlagen mit dem neuen Coach Heiko Herrlich sind es nun vier hintereinander. Herrlich darf aber seit Mittwochabend hoffen, dass die Erfolge Bochumer Nationalspieler neue Motivation in seinen Kader bringen. Anthar Yahia und Zlatko Dedic (Foto) schossen mit ihren entscheidenden Toren Algerien und Slowenien zur WM nach Südafrika. Und gerade Angreifer Dedic gehört zu den Spielern, auf die Herrlich setzt. Der Slowene, vor der Saison aus der italienischen Zweiten Liga gekommen, hatte nur einmal in der Startelf gestanden, bis Herrlich sein Amt übernahm. Der brachte Dedic gleich zweimal von Anfang an und änderte das System von einer Raute zu einem 4-2-3-1, in dem die offensiven Außen Dedic und Stanislav Sestak marschieren sollen. Gerade Sestak versucht aufgrund seiner immensen Schnelligkeit oft, direkt und quasi durch die Gegner hindurch zum Tor zu kommen, sobald er den Ball bekommen hat. Das steht in einem gewissen Gegensatz zu der Spielweise, die Heiko Herrlich, der vorherige Nationaltrainer der DFB-Junioren, seiner Mannschaft baldmöglichst einimpfen möchte: schneller und mehr Pässe zu spielen, sich schneller vom Ball zu trennen. Um ein solches Passspiel aufzuziehen, muss eine Mannschaft aber gerade im Mittelfeld sowohl kompakt als auch variabel stehen. Bei den Bochumern klafft aber zwischen den fast nur defensiven Mittelfeldspielern und den offensiven häufig eine zu große Lücke. Auch der gut gelaunte Zlatko Dedic kann sie alleine nicht schließen.

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