Taktikschule : FSV Mainz 05: Immer ein anderer Plan

Der erst 36 Jahre alte Mainzer Trainer Thomas Tuchel entwirft für jeden Gegner einen passenden Plan, das Spielsystem variiert dabei von Mal zu Mal. Oder sogar von Halbzeit zu Halbzeit.

Mathias Klappenbach

Der kleine Einspielfilm zur schnellen Halbzeit-Analyse in der Kabine wird in der Bundesliga schon hier und da genutzt, und auch vor dem Spiel werden zur Motivation nicht mehr nur fiktive Tabellen mit dem möglichen Stand nach einem Sieg ausgeteilt.
Thomas Tuchel, Trainer des FSV Mainz 05, hat seinen Profis vor dem Sieg gegen den FC Bayern in der Kabine eine Filmszene mit Al Pacino gezeigt, der als Footballtrainer mit seinem Team eigentlich keine Chance hat. Vor dem Erfolg gegen Hoffenheim gab es einen kurzen Film mit dem inbrünstigen Haka-Tanz der neuseeländischen Rugbyspieler. Es folgte ein Spiel mit sehr scharfem und hartem Pressing – dem genau richtigen Mittel gegen die spielstarken Hoffenheimer. Der laufintensive, aggressive und offensiv orientierte Mainzer Stil ist angelehnt an den anderer süddeutscher Coaches wie Joachim Löw, Ralf Rangnick oder Rainer Adrion. Der erst 36 Jahre alte Tuchel entwirft für jeden Gegner einen passenden Plan, das Spielsystem variiert dabei von Mal zu Mal. Oder sogar von Halbzeit zu Halbzeit, denn eine besondere Qualität Tuchels besteht darin, dass er die Halbzeitpause nicht dazu nutzt, seinen Spielern ihre Fehler auf Video vorzuführen, sondern einen neuen Plan zu entwickeln, wenn der ursprüngliche aus welchen Gründen auch immer nicht gut funktioniert hat – so wie beim Auswärtssieg in Bochum. In der Grundformation ist der Supertransfer und beste Scorer der Liga, Andreas Ivanschitz, dafür zuständig, die häufig die Seiten wechselnden Offensivkräfte einzusetzen, oft weicht er dafür selbst auf die Flügel aus. Der meist zentral spielende Stürmer Aristide Bancé ist flach und hoch anspielbar und soll die Bälle halten und verteilen. Aus dem defensiven Mittelfeld lenkt Elkin Soto das Mainzer Spiel mit, die außen eingesetzten Spieler flanken häufig sehr schnell in die Mitte. Aber das ist nur ein möglicher Plan des Thomas Tuchel.

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