TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Wo ist er denn nun, der echte Cristiano Ronaldo? Unser Foto zeigt seine neue Figur in Madame Tussauds Londoner Wachsfigurenkabinett, und auch in der portugiesischen Nationalmannschaft scheint manchmal sein Double zu spielen. An drei großen Turnieren hat der 25 Jahre alte Superstar schon teilgenommen – und jeweils die Erwartungen enttäuscht. Entweder versuchte er übermotiviert in jeder Szene den Trick des Jahrhunderts zu zeigen oder wurde wie bei der Europameisterschaft 2008 von der deutschen Nationalmannschaft aus dem Spiel genommen. Damals kehrte Bundestrainer Joachim Löw eigens von seiner gesetzten Standardformation mit zwei Stürmern ab und stellte einen Spieler mehr ins Mittelfeld – es war die Geburt jenes 4-2-3-1, das jetzt im ersten WM-Spiel gegen Australien eine neue Stufe erreicht hat. Nicht erst seitdem ist es allgemein üblich, Cristiano Ronaldo zu doppeln. Der Gegner ist bemüht, ihn schon bei der Ballannahme entscheidend zu stören, da er nur schwer zu stoppen ist, wenn er einmal mit dem Ball am Fuß Tempo aufgenommen hat. Die Zuschauer und zwangsweise auch der Gegner sind fokussiert auf seine spektakulären Aktionen. Eigentlich eine hervorragende Ausgangslage für den Regisseur Deco, der über rechts oder durch die Mitte mit seiner technischen Klasse und Übersicht den Rhythmus des Spiels bestimmen kann. Er hat aber nur in Simao noch einen Kollegen, mit dem er zusammen strukturierte Aufbauarbeit betreiben kann. Die Mannschaft hat Spieler großer individueller Klasse, findet aber nicht so leicht ihre Balance. Zwar stößt von den beiden Sechsern auch Raul Meireles mit nach vorne, die Grundeinstellung der Portugiesen ist aber vorsichtiger geworden als früher, schnelle Konter sollen auch gegen die prinzipiell offensiv ausgerichtete Elfenbeinküste den Erfolg bringen. Hier gibt es aber ein entscheidendes Defizit, die Abschlussschwäche der meisten Spieler. Der zentrale Stürmer weicht eher auf außen aus, um in der Mitte Platz für Cristiano Ronaldos Vorstöße zu schaffen. Der teuerste Fußballer der Welt hat in dieser Saison bei Real Madrid durchaus gezeigt, dass er es auch vermag, sich in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Bei diesem Turnier bedeutet das für den Kapitän der Portugiesen aber, die alten Erwartungen zu erfüllen und mal wieder ein Tor zu schießen oder zumindest eines vorzubereiten. In sämtlichen Qualifikationsspielen zur WM in Südafrika hat Cristiano Ronaldo kein einziges Mal getroffen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar