TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Nach dem 1:0 im ersten Spiel gegen Kamerun feierten die Japaner zwar ihren Sieg, doch die vorher von Fans, Medien und Spielern artikulierte Kritik hielt weiter an. Nationaltrainer Takeshi Okada würde zu defensiv spielen lassen, seiner Mannschaft fehle schon der grundsätzliche Wille zur Offensive. Ein Klischee über asiatischen Fußball, doch durchaus zutreffend. Im ersten Spiel eines Turniers ist es absolut üblich, dass die Teams zuerst einmal Sicherheit finden und defensiv stabil stehen wollen – so unattraktiv für die Zuschauer wie beim Spiel Japan gegen Kamerun muss es deshalb aber nicht zwangsläufig werden. Kamerun fehlten die spielerischen Mittel, sich nach vorne zu kombinieren, was allerdings auch schwierig war: Die Japaner zogen sich häufig mit neun Feldspielern hinter den Ball zurück, einzig ihr Torschütze Keisuke Honda (Foto) postierte sich etwas weiter vorne und schaute zu. Alle anderen hatten es nicht weit, um in Ballnähe Überzahl herzustellen und so die Afrikaner zu ihren vielen Fehlpässen zu zwingen. Es ging den Japanern also nicht wie anderen Mannschaften darum, im richtigen Moment den richtigen Mannschaftsteil zu verschieben. Sie wollten vielmehr schon da sein. Der Gegner soll sich in diesem dichten, ständig aufgespannten Netz verfangen, egal wie viel er rochiert. Gepaart mit der Einsatzbereitschaft und der ausgesprochenen Laufstärke ist dies ein probates Mittel, das Spiel des Gegners zu zerstören. Man darf davon ausgehen, dass die Taktik gerade gegen die Niederländer ähnlich aussehen wird. Deren Offensive ist dafür bekannt, häufig und variabel die Positionen zu wechseln. Im ersten Spiel gegen Dänemark gelang dies nicht so wie erwartet, die Dänen zogen sicherheitshalber sogar einen fünften Mann in die Abwehrreihe zurück; auch dieses Spiel schien vor lauter Taktik zu erstarren. Die Holländer fanden trotz des 2:0 keinen Weg, gefährlich zu werden oder ihre verwirrenden Positionswechsel zu inszenieren, weil die Dänen ihre Ordnung konsequent hielten. Holland ging erst durch ein Eigentor der Dänen in Führung. Wie auch immer eine Führung zustande käme – auch gegen Japan sollte ein Tor schon reichen. Denn kombinieren sich die Japaner mit einer ihrer Ballstaffetten über viele Stationen einmal nach vorne, fehlt ihnen ein Vollstrecker. So bleibt ihr einziges offensives Mittel meist wirkungslos. Die Spinne fühlt sich wohl in ihrem Netz.

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