TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Der brasilianische Innenverteidiger Lucio hat in dieser Woche noch einmal seinen alten Arbeitgeber kritisiert. „Es hat mich sehr glücklich gemacht, gegen einen Verein zu gewinnen, der kein Vertrauen mehr in meine Arbeit hatte“, sagte der 32-Jährige und meinte den Triumph mit Inter Mailand in der Champions League gegen den FC Bayern, der ihn vor der Saison abgegeben hatte. Brasiliens Nationaltrainer Carlos Dunga hat volles Vertrauen in seinen Kapitän, der in der Defensive die wichtigste Rolle innehat und gelegentlich sogar aufrückt – für ganze zehn Meter, um im Verbund mit Gilberto Silva und Felipe Melo lange Pässe abzufangen, bevor sie den zentralen Stürmer des Gegners erreichen. Lucio lenkt den Abwehrblock, der im Zentrum kaum zu überwinden ist. Die beiden defensiven Mittelfeldspieler Gilberto Silva und Felipe Melo machen ihrem Namen alle Ehre, weil sie quasi nicht am Angriffsspiel teilnehmen. Eigentlich ist es bei Teams mit zwei Sechsern üblich, dass sich einer von beiden mit in den Angriff einschaltet, so wie etwa bei Deutschland Sami Khedira. Die beiden Brasilianer bleiben einfach hinten, hier liegen die Grundlage für die stabile Defensive von Carlos Dunga und der Grund für die Kritik an der nur auf Effizienz ausgerichteten Spielweise seiner Mannschaft. Brasilien trägt eine historische Verantwortung für das schöne Spiel, zuletzt Weltmeister wurde es 1994 (da war Dunga selbst Kapitän) und 2002 aber mit Mannschaften, die jene, die ihr Samba-Klischee aus den Werbespots bestätigt sehen wollten, erzürnten. An der Erwartungshaltung an brasilianischen Fußball hat das nichts geändert. Sie umzusetzen liegt an den wenigen Offensivkräften und den Außenverteidigern, die wie der unaufhaltsame Maicon vorstoßen; das Zentrum hinter ihnen ist ja gesichert. Gegen Portugal müssen die Brasilianer auf den gesperrten Kaká verzichten. Der wirkt ausgelaugt, hatte gegen die Elfenbeinküste aber zwei dieser besonderen Momente, die Brasilien auch gegen die starke portugiesische Abwehr benötigen wird. Denn brasilianische Effizienz bedeutet, Zauberfußball bei sich bietender Gelegenheit zu zeigen. Julio Baptista wird mit dieser Aufgabe Kaká ersetzen, der eigentliche Spielmacher war bisher aber auch in Anwesenheit Kakás bereits Robinho (Foto). Er hat in der Zone zwischen Mittelfeld und Angriff alle Freiheiten und zeigt den Zuschauern vorm Dribbling seine Übersteiger, die angesichts des Spiels seines Teams allerdings etwas Anachronistisches haben. Dennoch wird er ebenso wie Cristiano Ronaldo auf der anderen Seite daran gemessen werden, ob sie die Verheißung der Ansetzung Brasilien – Portugal erfüllen können. Zumindest punktuell.

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