TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Holland spielt jetzt deutsch, heißt es. Zumindest so, wie Deutschland früher gespielt hat. Grund dafür ist die Abkehr des Trainers Bert van Marwijk vom 4-3-3- zum 4-2-3-1-System. Das soll zum einen mehr Flexibilität im Angriff bringen, weil im Unterschied zu dem Spiel mit einer zentralen Spitze und zwei Außenstürmern nun die vier Offensivkräfte auf ihren Positionen permanent rochieren und so den Gegner verwirren können. Das hat bisher noch nicht ganz so gut wie erwartet geklappt, gegen Brasilien wussten die Niederländer nachher selbst nicht so recht, warum sie eigentlich gewonnen hatten. Entscheidender Faktor, warum Holland das Halbfinale erreicht, war das neue Zentrum im defensiven Mittelfeld mit dem starken Mark van Bommel und Nigel de Jong. Der fehlt gegen Uruguay gelbgesperrt, ebenso wie Rechtsverteidiger Gregory van der Wiel. Er wird durch den gelernten Innenverteidiger Khalid Bouhlarouz ersetzt, der schon oft – zuletzt im Gruppenspiel gegen Kamerun – auf dieser Position gespielt hat. Schwerer wiegt der Ausfall de Jongs, der gemeinsam mit van Bommel das Spiel des Gegners mit ebenso großer Zweikampfstärke wie Härte unterbindet, für ihn kommt Demy de Zeeuw. Die Mittelfeldspieler vor der Verteidigung sind der Grundpfeiler dieses Systems, neben der wichtigsten Defensivaufgabe sind sie mehr als die anderen für das schnelle Umschalten verantwortlich, um die offensiven Spieler in einem aussichtsreichen Moment anzuspielen. Dies wird vor allem gegen die Südamerikaner eine große Rolle spielen, die mit drei defensiven Mittelfeldspielern versuchen, in der Mitte die Oberhand zu gewinnen. So soll die offensive Dreierreihe möglichst vom Spiel abgeschnitten und ein Loch zwischen holländischer Defensive und Offensive geschaffen werden, die Rochaden verlören so ihre Wirkung. Die Grundaufstellung der Uruguayer wirkt aber defensiver, als sie im Spiel ist, die defensiveren Mittelfeldspieler unterstützen den überragenden Diego Forlan durchaus bei der Offensivarbeit. Forlan ist überall, er stößt mit in die Spitze, schießt aus der Distanz gefährlich oder setzt die vorderen Spitzen ein. Hier fehlt Luis Suarez nach seinem Handspiel auf der Torlinie gegen Ghana, das ist eine noch größere Schwächung als die Ausfälle von Nicolas Lodeiro und Jorge Fucile in der Abwehr. Da Suarez fehlt, wird Forlan noch mehr nach vorne drängen, und de Zeeuw und van Bommel werden viel mit ihrer anderen Kernaufgabe zu tun haben. Sie müssen Forlan im besten Fall schon bei der Ballannahme attackieren oder sofort offene Räume schließen. Viel Arbeit, wenn man dann auch noch den eigenen Angriff vernünftig einleiten soll.

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