Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

56 Minuten sah Tschechiens Trainer Karel Brückner seinem Stürmer-Denkmal Jan Koller im ersten Spiel gegen die Schweiz zu, dann wechselte er Koller gegen den späteren Siegtorschützen Vaclav Sverkos aus. War da der Nachfolger des in den vergangenen Jahren unantastbaren Koller auf den Platz gekommen? Und wer von den beiden würde beim nächsten Mal gegen Portugal spielen? Brückner entschied sich für – Milan Baros. Der Torschützenkönig der EM 2004 (fünf Treffer) ist erst 26 Jahre alt, in der Tat scheint er seine beste Zeit aber hinter sich zu haben. In der Rückserie war er von Olympique Lyon an den FC Portsmouth ausgeliehen, seine Torbilanz: null.

In den vergangenen drei Jahren schoss er für seine Klubs insgesamt acht Treffer.

Brückner hat trotzdem immer an Baros festgehalten, und jetzt brachte er ihn für Koller, weil auch dessen beste Zeit vorbei scheint. Der Klassiker, den Riesen im Sturm einfach hoch und weit anzuspielen, damit der den Ball hält und die anderen in Ruhe nachrücken können, funktionierte gegen die Schweiz überhaupt nicht so wie etwa bei Italien und Luca Toni gegen Rumänien. Koller ließ sich bis in die eigene Hälfte drängen und bot sich permanent dort an, wo ein Pass auf ihn keinen wesentlichen Raumgewinn brachte. Gegen Portugal und mit Baros verlor Tschechien zwar, spielte aber viel besser. Baros stieß in freie Räume in der Offensive und schuf mit seiner Laufarbeit selbst welche für Kombinationen. Heute gegen die Türken, die den ballführenden Spieler stark attackieren (und vielleicht mit zwei Stürmern spielen) werden die Tschechen aber zu vielen langen Bällen gezwungen sein – doch ein Fall für Koller? Brückner sollte zudem bedenken, dass Baros gegen Portugal insgesamt zweimal zum Schuss kam. Aufs Tor ging keiner davon.

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