Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Gegen Portugal stellt sich für die deutsche Mannschaft die Frage, wie es gelingen soll, „unser Spiel durchzubringen“ (Bundestrainer Joachim Löw), wenn man als klarer Außenseiter in ein Spiel geht. Der Bundestrainer ist konzept- und systemtreu, seine Grundformation wird er nicht wie die Italiener und Franzosen einfach ändern. Sein eigenes Spiel kann man gegen die Portugiesen aber nur durchbringen, wenn man ihres ständig unterbindet. Die Frage ist, wo man damit anfängt. Tschechien sah gegen Portugal lange defensiv gut aus, als es mit zwei Viererketten erst spät angriff und so den oft die Seiten tauschenden Solokünstlern Cristiano Ronaldo und Simao (oder Ricardo Quaresma) auf den Flügeln wenig Raum ließ. Die Portugiesen können ihre Angriffe aber auch anders entwickeln – etwa mit Doppelpässen über die zentrale Spitze Nuno Gomes, was bereits zu zwei Toren führte. Eines davon erzielte Deco, der überall ist. Er kommt oft weit aus der Tiefe, um das Spiel mit seinen großartigen Pässen zu entwickeln. Um die meisten Optionen der Portugiesen entscheidend zu stören, muss eigentlich Deco wirksam früh im Mittelfeld gestört werden. Greifen die Deutschen Deco aber dort an und werden dann überspielt, wird es schwierig, weiter hinten Überzahlsituationen herzustellen, wenn etwa Cristiano Ronaldo einen von Decos genau getimten Diagonalpässen bekommt. Ronaldo muss aber gedoppelt oder gar getrippelt werden, um gestoppt zu werden. Um die Anspielstationen abzudecken, müssen alle deutschen Spieler optimal ihre Position im Raum verschieben, wenn der ballführende Spieler unter Druck gesetzt wird. Genau das hat in den bisherigen Spielen aber überhaupt nicht gut geklappt, weswegen sich die Gegner relativ leicht Räume auf den Außenpositionen erschließen konnten. Wer so spielt, dürfte es schwer haben, sein „Spiel durchzubringen“.

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