Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Tja, wie spielen die Deutschen denn nun? Für die Rückkehr zum 4-4-2-System, das bis zum Portugal-Spiel als verbindlich galt, spricht, dass es gegen die sicher erst einmal defensiv eingestellten Türken eine Anspielstation mehr für die vertikalen Pässe in der Spitze geben würde – ein schnelles und direktes Aufbauspiel würde dadurch erleichtert. Die Mannschaft ist dieses System gewohnt, die wichtigen Automatismen sitzen hier naturgemäß besser als bei der neuen Grundordnung. Dagegen aber spricht, dass die Mannschaft mit zwei defensiven Mittelfeldspielern deutlich an Sicherheit gewonnen hat und das Aufbauspiel mit Doppelpässen über außen (wie beim ersten Tor) gegen Portugal auch geklappt hat. Auch dieses System lässt sich offensiv interpretieren. Wenn die drei vorgezogenen Mittelfeldspieler (Schweinsteiger, Ballack und Podolski) sich ständig mit nach vorne einschalten, ist es nicht defensiver als das alte System. Bundestrainer Joachim Löw ist es wichtig, dass die Grundausrichtung offensiv ist. Wenn Druck über die Außenpositionen gemacht werden soll, müssen aber auch die Außenverteidiger mitmachen. Das ist nicht so sehr das Spiel des Arne Friedrich, sondern mehr das des Philipp Lahm. Der trifft auf seiner Seite auf Sabri, den offensiven Außenverteidiger der Türkei – sicher eines der interessantesten Duelle in diesem Halbfinale. Über Lahms Seite kommt oft auch sein Vereinskollege Hamit Altintop, der in der türkischen Defensive wiederum Lukas Podolski (Foto) stoppen soll. Für Podolski selbst wäre es hilfreich, aufgrund seiner Abwehrschwächen noch zwei Mittelfeldspieler hinter sich zu wissen. Auch die Türkei hat bei der EM schon mit zwei defensiven Mittelfeldspielern gespielt, und gegen Deutschland wird sie es wohl wieder tun. Ihr fehlen aber die gefährlichen Außenspieler im Mittelfeld, die viel Entlastung bringen können. Dafür ist Spielmacher Emre Belözoglu wohl wieder fit – und der kommt auch oft über links.

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