Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

Es ist jetzt bald zehn Jahre her, dass der Brillenträger Ralf Rangnick als Trainer des SSV Ulm im „Sportstudio“ des ZDF an einer Taktiktafel die Viererkette erklärt hat, und noch immer wird er in fast jedem Interview darauf angesprochen. Brille + Tafel = Professor, und auch die aktuellen Fragen an Rangnick enthalten häufig Bitten, die Spielweise seiner TSG Hoffenheim zu erklären. Rangnick antwortet tapfer „ballorientierte Raumdeckung mit Pressing“ und „schnelles Spiel in die Spitze“. Mit der ballorientierten Raumdeckung ist er aber längst nicht mehr alleine, es ist normal geworden, dass sich eine ganze Mannschaft im Verbund in die Richtung verschiebt, wo der Ball ist, um dort Überzahl zu schaffen und dem Gegner Raum und Zeit zu nehmen und den Ball zu erobern. Das schnelle Spiel in die Spitze interpretieren die Hoffenheimer aber auf eine spezielle Art. Allein schon deshalb, weil sie besonders viel laufen. Es ist sehr auffällig, dass ein Hoffenheimer den Ball quasi blind in den freien Raum in der Nähe eines Mitspielers spielen kann, weil der mit Sicherheit jetzt gerade dahin starten wird. Das verlangt eine gewisse Spielintelligenz und bedeutet hohen läuferischen Aufwand, führt im Ergebnis aber zu schönen Kombinationen und erschwert es dem Gegner, seinerseits erfolgreich zu pressen. Rangnicks Ziel ist es, zwar eine taktische Grundausrichtung zu haben, ansonsten aber keine schematische Grundordnung. So hat außer den beiden Innenverteidigern und dem Torwart jeder Hoffenheimer Spieler einen großen Aktionsradius, und die Grundordnung mit drei Mittelfeldspielern nebeneinander erscheint nur an der Tafel defensiv. Die Dreierreihe mit dem starken Luiz Gustavo (Bild) ist vor allem für das schnelle Spiel in die Spitze verantwortlich.

0 Kommentare

Neuester Kommentar