Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Felix Magath hat inzwischen alle Spieler des FC Bayern ausprobiert, die prinzipiell in der Lage sind, hinter zwei Stürmern im offensiven Mittelfeld Fußball zu spielen. Selbst der defensive Owen Hargreaves durfte sich schon versuchen. Die Tests haben nur noch einmal deutlich gezeigt, was schon vorher bekannt war: Der FC Bayern hat keinen Nachfolger für Michael Ballack. Deshalb werden die Münchner in dieser Saison anders spielen, unabhängig davon, wer zunächst die zentrale offensive Position bekommt. Favorit hierfür ist der gelernte Stürmer Roque Santa Cruz. Er kann den Ball auch in Bedrängnis halten, verfügt über einen guten Schuss, eine starke Technik und ist zudem auch bei Kopfbällen gefährlich, wenn er in den Angriff aufrückt. Was ihm hingegen fehlt, ist der Drang, das Spiel gestalten zu wollen. Der ist zwar bei Julio dos Santos zu erkennen, aber der Paraguayer ist international noch zu unerfahren für diese wichtige Rolle, ebenso wie Bastian Schweinsteiger. Nur Mehmet Scholl wäre sofort einsetzbar, aber die Kräfte des 35-Jährigen reichen nicht mehr für 90 Minuten, in denen er auch nach hinten arbeitet. Ballacks Weggang erschließt laut Magath aber auch neue taktische Möglichkeiten auf dem Spielfeld, und in der Tat war neben den Problemen auf der zentralen Position in den Testspielen zu sehen, dass die Münchner variabler agieren wollen. Es gab mehr Seitenwechsel, auf den Außenpositionen wurde teilweise mit drei Spielern gleichzeitig angegriffen. Geklappt hat das noch nicht, aber es war erkennbar, dass die Bayern in dieser Saison offensiver und dominanter spielen wollen. Dazu passt Magaths Ankündigung, es auch mit einer neuen Taktik zu probieren: Wenn der noch verletzte Valerien Ismael wieder fit ist, soll er zusammen mit Lucio und Neuzugang Daniel van Buyten eine Dreierkette bilden, vor der die Außenverteidiger Lahm und Sagnol ins Mittelfeld aufrücken. Hargreaves würde vor der Abwehr stehen, vorne wäre Platz für zwei zentrale offensive Mittelfeldspieler, die sich die Last der Nachfolge Ballacks teilen könnten. Zumindest so lange, bis Sebastian Deisler nach einer weiteren schweren Knieverletzung zurückkehrt. Aber der Spieler des FC Bayern, der am ehesten die Gestaltung des Spiels in die Hand nehmen könnte, fällt noch mindestens bis zum Herbst aus. Bis dahin kommt vielleicht nicht dem offensiven, sondern dem defensiven Mittelfeldspieler die Schlüsselrolle zu: Da beispielsweise Santa Cruz deutlich weiter vorne als Ballack spielen wird, ist vor allem der englische WM-Held Owen Hargreaves für die Spieleröffnung zuständig.

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