Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Als in dieser Woche die Konferenz der Nationaltrainer in Berlin eröffnet wurde, kritisierte Fifa-Chef Joseph Blatter die taktische Entwicklung hin zu grundsätzlich defensiverem Fußball. Es würden zu wenig Tore fallen. Die Nationaltrainer diskutierten anschließend über die taktischen Trends der Weltmeisterschaft und dabei viel über die Rolle des zweiten zentralen defensiven Mittelfeldspielers, mit dessen Hilfe viele Coaches – auch die der Finalisten Italien und Frankreich – Gegentore verhindern wollten. Schon während der WM bekam mancher Fan Angst davor, auch in der Liga unattraktive Spiele zweier vor allem defensiv gut organisierter Mannschaften ohne viele Torchancen ertragen zu müssen. Doch die Kritik von Blatter und die taktischen Trends der WM sind nur bedingt auf die Bundesliga übertragbar, weil es für viele Teams in vielen Spielen nicht primär darum geht, auf keinen Fall zu verlieren, sondern zu gewinnen. So haben an den ersten drei Spieltagen nur sechs Mannschaften mit zwei zentralen defensiven Mittelfeldspielern‚ sogenannten 6ern, gespielt. Außer Schalke, das dafür aber auch drei Stürmer aufbietet, sind diese Teams allesamt Abstiegskandidaten beziehungsweise stehen wie Bielefeld, Bochum und Hannover derzeit am Ende der Tabelle. Der VfL Bochum beispielsweise versuchte es wie Italien und Frankreich bei der WM vorrangig mit einem Stürmer und drei offensiven Mittelfeldspielern, hat aber bisher alle drei Spiele verloren. Nach der Verpflichtung des zweiten Stürmers Gekas muss nun Spielmacher Misimovic defensiver werden: Bei Angriffen des Gegners nimmt er die zugunsten des zweiten Stürmers freigewordene Position des zweiten 6ers ein, bei eigenen Angriffen rückt er schnell nach vorne und wird durch Mitspieler abgesichert. So haben auch einige Teams bei der WM die Rolle des zweiten 6ers interpretiert und auf Sieg statt auf Nicht-Verlieren gespielt, etwa Deutschland mit Michael Ballack.

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