Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Rennen, rackern, den Gegner mit ewigen Grätschen zermürben – so ist der Ruf des Fußballs aus der Lausitz, und diese Methode war auch die Grundlage dafür, dass Energie Cottbus wieder in die Bundesliga aufgestiegen ist. Es kommt an diesem Wochenende aber zum überraschenden Spitzenspiel gegen den 1. FC Nürnberg, weil die Cottbuser noch mehr können als fies grätschen: erstklassig kontern. Das haben sie an den ersten vier Spieltagen immer wieder gezeigt. Ihre sieben Punkte haben sie auch deshalb geholt, weil sie nach Ballgewinnen in der tief stehenden Deckung mit zwei defensiven Mittelfeldspielern, die den gegnerischen Angreifern kaum Raum lässt, den Grätschen zu entkommen, keine Zeit verlieren. Das sogenannte Umschalten von Abwehr auf Angriff geschieht entweder mit einem langen Pass auf den sehr laufstarken Radu oder über schnelle Kombinationen im offensiven Dreier-Mittelfeld, in dem Spielmacher Shao sowie Küntzel und Munteanu viel rochieren. Dabei achtet Energie darauf, nicht zu weit und mit zu vielen Spielern aufzurücken. Denn nicht nur die Nürnberger trainieren seit längerem die vielversprechende taktische Variante, wie man am besten die Konter von Mannschaften, die sich sonst nicht aus ihrer massierten Deckung trauen, selber kontert. Bei den Cottbusern wird der Ball aber nur über zwei bis drei Stationen und fast immer über außen nach vorne getragen und nach dem Zuspiel in die Mitte sofort der Abschluss gesucht. Durch diese im Vergleich zu den harten Grätschen erstaunlich kunstfertig vorgetragenen Blitzangriffe fielen zwei der bisherigen fünf Cottbuser Bundesligatreffer und ein dritter dazu, weil der unermüdliche Radu letzte Woche gegen Mainz so vehement nachsetzte, dass Torwart und Abwehrspieler durcheinandergerieten. Die Basis des erfolgreichen Konterspiels bleiben höchster Einsatz und enorme Laufbereitschaft. Schließlich soll der Gegner erst gar nicht dazu kommen, selber zu grätschen.

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