Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Die Niederlage müsse erst genau analysiert werden, heißt es üblicherweise nach einem verlorenen Bundesligaspiel. Die dezidierte Videoanalyse bringt dann oft dieses Ergebnis: Die Automatismen haben nicht funktioniert, wir haben wegen der dadurch entstandenen Fehler verloren. Arminia Bielefeld hat in dieser Saison erst dreimal verloren – weil die einstudierten Abläufe sehr gut funktionieren. Arminias System fußt auf dem von Uwe Rapolder eingeführten Vertikalspiel. Diese Grundorganisation verlangt großes taktisches Verständnis von jedem einzelnen Spieler – und auch viel Laufarbeit. Der Gegner soll durch ständiges Attackieren und Verschieben aller Spieler in der Breite an die Außenlinie gedrängt werden, wo er dann wenig Platz zum Kombinieren hat und den Ball schneller verliert. Ist der Ball gewonnen, geht es schnell und steil nach vorne. Die meisten Tore aus dem Spiel heraus fallen im modernen Fußball nach wenigen, schnellen Pässen. Soweit die Grundidee, die von Rapolders Nachfolger Thomas von Heesen weiterentwickelt wurde. Sein Team kann je nach Gegner und Spielstand flexibel reagieren, neben dem vor allem zu Hause praktizierten Pressing kann die Arminia auch in aller Ruhe auf ihre Konterchancen warten. Schon vor der eingespielten Viererkette fangen die zentralen Mittelfeldspieler Kauf und Kucera viele Angriffe ab, gerade Gegner mit einer Mittelfeldraute wie Werder Bremen haben Probleme, sich Chancen gegen die ständig die Räume verengenden Bielefelder herauszuspielen. In der Offensive haben Böhme, Kamper und Zuma bei allem Systemzwang Freiheiten für überraschende Aktionen, zudem trifft Wichniarek wieder. Das Hin und Her um die Vertragsverlängerung von Heesens verunsichert die Mannschaft auch deshalb nicht, weil jeder seine Aufgaben im Spiel genau kennt. Und auch die Spieler bemerken Fehler im Betriebsablauf sofort, ohne sich später eine Aufzeichnung anschauen zu müssen.

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