Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Die Zuschauer in Stuttgart pfiffen ihre Mannschaft schon kurz vor der Halbzeit aus. Seit einer halben Stunde hatte sie gegen Borussia Mönchengladbach kein Tor geschossen, der VfB führte nur 1:0 und spielte nicht gut. Aber lange nicht so schlecht wie der Gegner. Die Gladbacher verloren fast jeden Ball im Mittelfeld sofort wieder, meist durch einen leichten Fehler. Die Abwehr der Borussen ist meistens bundesligatauglich, aber das Offensivspiel erschüttert selbst den neutralen Fußballfan jede Woche aufs Neue. Man dürfe nicht nur ergebnisorientiert denken, schließlich sollen in Mönchengladbach langfristig Strukturen aufgebaut werden, sagt Manager Peter Pander, wenn er auf die Misere angesprochen wird. Kurzfristig, also in der bisherigen Saison, ist auf dem Spielfeld keine Struktur erkennbar. Trainer Jupp Heynckes wechselt meist vier bis fünf Spieler von einer Partie zur nächsten aus, es waren auch schon einmal sieben. Selbst Nationalstürmer Oliver Neuville musste schon zugucken, obwohl er die einzigen beiden Tore in den letzten sieben Spielen erzielt hat. Wenn man sich die Anzahl der herausgespielten Chancen ansieht, ist diese Miniquote sogar akzeptabel – kein Bundesligist hat sich bisher weniger Torgelegenheiten herausgespielt. Neuville musste laut Heynckes aus taktischen Gründen auf die Bank. Nach der ersten Saisonphase, in der es der Trainer mit einer Raute im Mittelfeld versuchte, experimentiert er nun. Das führt dazu, dass sich auch die Spieler, die in der Mannschaft bleiben, oft auf einer anderen Position als in der Vorwoche versuchen müssen. Der als Spielmacher geholte Federico Insua spielte zuletzt weiter vorne, im Mittelfeld verschleppt er bei den seltenen Konterchancen zu oft das Tempo. Aber wo soll er auch hinspielen? Wer überhaupt noch genug Selbstbewusstsein hat, nach vorne zu rennen, weiß doch nicht einmal, welche sogenannten Laufwege zum System des Tages passen.

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