Sport : TAKTIKSCHULE mit Mathias Klappenbach

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Immer noch sagen die Reporter, der Torwart habe zu weit vor seinem Tor gestanden, wenn es oben eingeschlagen hat. Dabei geht das gar nicht. Ein Torwart kann gar nicht zu weit vor seinem Kasten stehen, weil es viel mehr Treffer verhindert, wenn er den Winkel verkürzt, in 1-gegen-1- Situationen früh draußen ist und lange Pässe abläuft. Die paar Tore, die nach wunderbaren Hebern auf der Linie zu verhindern gewesen wären, fallen kaum ins Gewicht und müssen in Kauf genommen werden. Es ist nichts Neues, dass der Torhüter mitspielen können muss. Aber diese Fähigkeit wird immer wichtiger und immer intensiver benötigt. Oliver Kahn wird es nicht mehr lernen, einen Rückpass auf einen 25 Meter entfernten Mitspieler weiterzuleiten, und Christian Fiedler wird auch keine wichtige Anspielstation mehr werden. Was sie einmal als komplettes Torwartspiel vermittelt bekommen haben, wäre heute mangelhaft. Die jungen Keeper wie Schalkes Manuel Neuer und Leverkusens René Adler können genauso weit abwerfen wie früher Toni Schumacher, nur schneller und genauer. Die entscheidende Weiterentwicklung besteht allerdings darin, dass sie ihre Mitspieler auch mit dem Fuß einsetzen können. Das ist Ergebnis eines Trainings, bei dem der Torhüter nicht nur den Ball aufs Tor geschossen bekommt, sondern viel mitspielt. Der Fußball spielende Torwart soll die Kugel nicht auf die Tribüne jagen. Denn der hinter der auf Abseits spielenden Viererkette aufgerückte Torwart hat inzwischen so oft den Ball, dass er nicht nur letzter Abfangjäger, sondern auch erster Aufbauspieler ist. Der Libero kehrt zurück.

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