Taktikschule : Mutig gegen die Maschine

Frankreichs Niederlage gegen Schweden war die erste nach 23 Pflichtspielen. Und ausgerechnet jetzt geht es gegen die übermächtigen Spanier. Taktikexperte Mathias Klappenbach erklärt, wie dem Europameister beizukommen ist.

von
Samir Nasri ist nicht nur aus der Distanz gefährlich. Foto: AFP
Samir Nasri ist nicht nur aus der Distanz gefährlich.Foto: AFP

Einen sehr lauten Kabinenkrach hat es bei den Franzosen nach der Niederlage gegen Schweden im letzten Gruppenspiel gegeben, alle Beteiligten beeilten sich aber zu versichern, dass es längst nicht so schlimm sei wie bei der Spielermeuterei während der WM 2010. Zur Klage besteht auch kein Grund, denn unter Trainer Laurent Blanc hat die französische Mannschaft zu alter Stärke mit offensiv ausgerichtetem Fußball zurückgefunden, auch wenn davon bei dieser Europameisterschaft noch nicht so viel zu sehen war.

Gegen Spanien müssen sich die Franzosen auf ihre eigene Stärke besinnen, denn sie besitzen nicht die Spielertypen, um ein „Spinnennetz“ (Spaniens Trainer Vicente del Bosque) wie die Kroaten zu weben, um die Spanier im Mittelfeld zu stoppen. Die zwei defensiven Mittelfeldspieler werden die Passmaschine um Xavi nur punktuell stören können, die anderen sind nach vorne orientiert und haben dort ihre Stärken. In der offensiven Dreierreihe kann vor allem Franck Ribéry, aber auch Jeremy Menez außen durchbrechen. In der Zentrale ist Samir Nasri (Foto rechts) nicht nur mit seinen Distanzschüssen torgefährlich, das heutige Viertelfinalspiel könnte somit zu einem echten Härtetest für Spaniens Defensive werden.

Auffällig ist bei der EM allerdings bisher, dass viele Einzelaktionen der Franzosen nicht mit der Bewegung des gesamten Mannschaftsgefüges auf dem Platz zusammenhängen, es scheint an Eingespieltheit beziehungsweise Spielverständnis zu mangeln. Vielleicht schafft es Ersatzmann Laurent Koscielny, zumindest mehr Bindung zwischen französischer Abwehr und Mittelfeld herzustellen und einen Vorteil daraus zu ziehen, dass der übergewichtige und oft pomadige Philippe Mexès gesperrt ist. Das alles sind Probleme, die der Titelverteidiger aus Spanien nicht kennt.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben