Taktikschule : Niederlande: Vorne Weltklasse - und hinten?

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4-3-3 ist ein Synonym für das Versprechen auf tollen Offensivfußball mit drei Stürmern, bei dem es vor allem darum geht, Tore zu schießen. Und nicht darum, keine zu kassieren. Es ist das klassische System der Ausbildung von Fußballern in den Niederlanden, und mit den Jahrzehnten hat die Nationalmannschaft bei großen Turnieren zunächst mit diesem Stil begeistert, um dann als Mitfavorit aufgrund defensiver Defizite auszuscheiden. Tragisch, sympathisch.

Auch das aktuelle Team hat seine Stärken eindeutig in der Offensive, Trainer Bert van Marwijk hat die Spielweise aber anders als im schematischen 4-3-3 modifiziert, um mehr Varianten in der Offensive und gleichzeitig mehr Stabilität in der Abwehr zu erlangen. Das ist die Hauptaufgabe von Nigel de Jong und Mark van Bommel, die nicht nur die Mitte abdichten sollen, sondern auch dafür zuständig sind, die Außenverteidiger bei Vorstößen abzusichern. Der nicht mehr so schnelle Giovanni van Bronckhorst und das Talent Gregory van der Wiel halten sich damit aber zurück, was gerade gegen Dänemark ratsam erscheint.

Denn auch die Dänen spielen prinzipiell ein offensiv ausgerichtetes System mit drei Offensivspielern. Das aktuelle System der Niederländer könnte man schematisch auch als 4-2-3-1 bezeichnen, in dem vor allem die offensiven Mittelfeldspieler auf den Außenbahnen viele Defensivaufgaben haben. Bei eigenem Ballbesitz entsteht aber, und das ist die große Stärke der Niederländer, ein 4-2-4 mit vier Offensivspielern, die für den Gegner unberechenbar ständig die Positionen tauschen, auch ohne den verletzten Arjen Robben hat van Marwijks Team hier in Wesley Sneijder (Foto), Rafael van der Vaart, Dirk Kuyt und Robin van Persie ein exzellentes und höchst variables Quartett.

Bleibt nur die Frage, ob die defensiven Umstellungen ausreichen, um den üblichen Gang der Dinge zu verhindern. Van Marwijk, so scheint es, hat alles getan, um die Stärken seiner Spieler optimal einzubringen und gleichzeitig an den notorischen Schwächen zu arbeiten. Wogegen er aber nicht viel tun kann, sind die manchmal haarsträubenden individuellen Aussetzer in der Innenverteidigung. Bleiben sie aus, haben die Niederlande gute Chancen, weit zu kommen. Wieder einmal.

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