Taktikschule : Portugal ist nur individuell gut

Die Portugiesen haben nicht nur Cristiano Ronaldo, trotzdem spielt die Mannschaft häufig zu eindimensional. Mathias Klappenbach erklärt, wo die Schwachpunkte des deutschen Gruppengegners liegen.

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Nani steht zwar im Schatten von Ronaldo, ist aber im Nationalteam ähnlich gefährlich.
Nani steht zwar im Schatten von Ronaldo, ist aber im Nationalteam ähnlich gefährlich.Foto: AFP

Alle achten auf Cristiano Ronaldo, dabei macht er nur die Hälfte der Gefährlichkeit Portugals aus. Auf der anderen, der rechten Seite, spielt Nani von Manchester United, der genauso viel Zug zum Tor hat. Auch er ist im 4-3-3 der Portugiesen nominell Außenstürmer, geht aber ebenfalls nicht bis zur Grundlinie, sondern zieht lieber in die Mitte und sucht dort den Abschluss.

Bei 90 Prozent der Angriffe wählen Cristiano Ronaldo und er den Weg in die Mitte, um mit ihren gefährlichen Distanzschüssen zum Erfolg zu kommen. Nahezu die Hälfte ihrer Tore in der EM-Qualifikation erzielten die Portugiesen von außerhalb des Strafraums, auch Mittelfeldspieler Raul Meireles hat einen guten Schuss. Wenn der Ball den Weg nach vorne findet. Denn so gut die beiden Einzelkönner auf den Außenpositionen auch sind – am effektivsten kann man sie bekämpfen, indem man gar keine Zweikämpfe mit ihnen entstehen lässt und sie von den Zuspielen der Mannschaftskameraden abschneidet. Denn Portugals Taktik ist oft eindimensional und somit berechenbar, zudem fehlt im Mittelfeld und in der Abwehr ein guter Passgeber.

Um nach vorne zu kombinieren und die Schwäche auf den Seiten nicht zu eklatant werden zu lassen, rücken oft die Außenverteidiger auf, um auf den zentralen Stürmer zu flanken oder den Ball auf einen der Distanzschützen zurückzulegen. Alle Defensivspieler Portugals sind zweikampfstark, wenn ihre Positionstreue auch nicht sehr ausgeprägt ist und zum Beispiel Pepe oft ungestüm herausrückt. Überhaupt fehlt es dem Team von Trainer Paulo Bento bisweilen an taktischer Disziplin, am besten ersichtlich ist dies an den vielen Gegentreffern des eigentlich kopfballstarken Teams bei Standardsituationen wegen mangelnder Zuordnung.

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