Sport : Taktischer Rückzug

Christian Hönicke über die gesunkene Streitlust beim Formel-1-Team McLaren

Christian Hönicke

Ist es ein Schuldeingeständnis? Der Formel-1-Rennstall McLaren-Mercedes hat seinen Einspruch gegen die Bestrafung beim Großen Preis von Ungarn zurückgezogen. Damals waren dem Team wegen des Blockadeskandals um seine Piloten Alonso und Hamilton die Konstrukteurspunkte für dieses Rennen aberkannt worden. Der Verzicht auf einen Einspruch legt nun die Vermutung nahe, dass sich McLaren auch in der Spionage-Affäre dem Verlust von 100 Millionen Dollar und aller WM-Punkte fügen wird.

Die Gründe dafür könnten vielerlei Gestalt sein. Zunächst einmal muss eine Geldstrafe von 100 Millionen Dollar in der Nebelkerzenfabrik Formel 1 nicht unbedingt bedeuten, dass auch 100 Millionen Dollar gezahlt werden. Auffällig war, dass McLarens Teamchef Ron Dennis am Tag nach dem Urteil Champagner trinkend und recht gut gelaunt gesichtet wurde – gut möglich, dass der Betrag hinter den Kulissen etwas reduziert wurde. Selbst wenn dem nicht so ist, kann McLaren den Verlust aber in Grenzen halten, wenn das Team zumindest den WM-Titel in der Einzelwertung holt. Sponsoren würden sich sicherlich leichter anwerben lassen, wenn diese Entscheidung nicht auch noch von juristischen Querelen entwertet würde.

Außerdem hat Max Mosley, der Präsident des Automobil-Weltverbands (Fia) hernach mehrmals betont, dass er selbst eine Bestrafung der Fahrer angemessen gefunden hätte. Ein Warnschuss in Richtung Dennis, dass diese Option im Falle einer Berufung nicht auszuschließen ist. Es wäre nicht das erste Mal, dass die Fia ihr Urteil eher verschärft denn abmildert.

Es ist davon auszugehen, dass der stets kühl kalkulierende Ron Dennis nach reiflicher Überlegung zu dem Schluss gekommen ist, dass er mit dem Urteil doch besser leben kann, als er direkt nach dessen Verkündung wutentbrannt verlauten ließ. Als spätes Schuldeingeständnis sollte man sein Einlenken jedenfalls nicht missverstehen.

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