Sport : Talent für die Fremde

Der SCC bildet junge Volleyballer aus und kann die meisten später nicht im Verein unterbringen

Karsten Doneck

Berlin. Die Zahl der Arbeitsplätze ist begrenzt. Sechs Spieler stehen auf dem Feld, maximal sechs sitzen als Ersatz draußen. Größere Kader kann sich die Volleyball-Bundesliga finanziell kaum leisten. Für den SC Charlottenburg ist diese Situation recht misslich, investiert der Verein doch jede Saison rund 50000 Euro – „mal mehr, mal weniger“, wie Manager Kaweh Niroomand sagt – in eine qualitativ hochwertige, deutschlandweit anerkannte Ausbildung in seinem Jugendleistungszentrum in Marzahn. Große Investition, geringer Eigennutz: Wenn die Lehrzeit der Volleyball-Schüler endet, picken sich häufig andere Klubs die Besten heraus. Beim VfB Friedrichshafen, dem Deutschen Dauer-Meister, schmettern zum Beispiel Björn Andrae und Norbert Walter die Bälle übers Netz. Beide sind beim SCC in Marzahn herangereift, beide zählen längst zum Stamm der Nationalmannschaft.

Der SCC hat sich damit abgefunden, seine Talente später zum Gegner zu haben. „Wir können nicht nur mit jungen Leuten antreten. Dann würden wir in der Bundesliga-Spitze nicht mithalten“, sagt Niroomand. Aber nicht alle zieht’s von Marzahn aus gleich in die Fremde. Im aktuellen Kader des SCC stehen mit Christoph Eichbaum, Jan Günther, Manuel Rieke und Frank Dehne immer noch vier Mann aus dem eigenen Nachwuchs. Sie sollen auch heute dabei mithelfen, dass die Mannschaft gegen Rabotnicki Fersped Skopje MKD ins Viertelfinale des Europapokals einzieht.

Vier sind geblieben. Über zehn Nachwuchskräfte aus Marzahn suchen aber ihr Glück bei anderen Bundesligaklubs. Besonders trauert der SCC dem Fortgang von Björn Andrae nach. Eine vermeidbare Trennung? Der frühere SCC-Trainer Brian Watson habe Andrae zu wenig Beachtung geschenkt, heißt es aus dem Verein. Eines Tages erschien Andrae bei Kaweh Niroomand und erklärte ihm, er wolle lieber nach Friedrichshafen wechseln, der Trainer dort sei schließlich auch der Bundestrainer und er, Andrae, verspreche sich davon Vorteile für seine Zukunft als Nationalspieler. Niroomand mokiert sich nun über Stelian Moculescus Doppelaufgabe. „Diese Konstellation ist sicher nicht ideal.“ Für Spieler wie Andrae oder Norbert Walter kassierte der SCC immerhin Ablöse, geschätzt rund 50000 DM pro Mann – bei einem Saisonetat von 600000 Euro. Einige Spieler schickt der SCC nach der Ausbildung aber auch ganz bewusst fort. Zum Beispiel Sven Glinker. „Manche müssen unabhängig werden vom Elternhaus, müssen sich emanzipieren. Erst dadurch kommen sie auch sportlich weiter“, sagt Niroomand.

Das Volleyball-Internat in Marzahn ist aber keine Erfindung des SCC. Bereits zu DDR-Zeiten wurden dort junge Volleyballer ausgebildet: für die Ostvereine SC Dynamo und TSC Berlin. Die Finanzierung gewährleistete die Handelskette Konsum, die sich aber nach dem Mauerfall zurückzog. Der SCC übernahm – dankend.

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