Sport : Tanz ohne Leidenschaft

Schalke ärgert sich nach dem 0:0 in Bukarest über den FC Chelsea und sich selbst.

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Bukarest - Die Spieler, die sich ungefragt aus dem Staub machen konnten, zögerten keinen Moment. Jermaine Jones etwa verspürte nach dem 0:0 bei Steaua Bukarest im Gruppenspiel der Champions League keinerlei Lust, irgendetwas zu der Vorstellung des Bundesligisten zu sagen. So schnell es ging, verschwand er im Schalker Mannschaftsbus. Auch Dennis Aogo, normalerweise ein Quell der Ruhe und der nüchternen Analyse auch nach unbefriedigenden Partien, hatte es die Sprache verschlagen. Auch er verließ die winterliche Nationalarena in Bukarest wortlos.

Die Ernüchterung und Enttäuschung brauchten auch gar nicht in Worte gefasst zu werden. Die Schalker hatten sich mit einem erneut unbefriedigenden Spiel selbstverantwortlich in eine Situation hineinmanövriert, die sie unbedingt vermeiden wollten. Nach dem Erfolg des FC Basel gegen den FC Chelsea (1:0) im Parallelspiel muss nun in der finalen Partie der Vorrundengruppe E am 11. Dezember gegen die Schweizer in der heimischen Arena unbedingt ein Sieg her.

„Wir haben jetzt ein Endspiel, das wir gewinnen müssen“, sagte Horst Heldt mit unverkennbar angesäuerter Miene. Schalkes Manager versuchte dann auch noch zwanghaft, etwas Positives aus der misslichen Situation heraus zu ziehen. „Wir können ohnehin nicht so gut auf Unentschieden spielen“, sagte er, nachdem die Mannschaft die vorangegangene Partie gegen Frankfurt und nun auch Bukarest jeweils mit einem Remis beendet hatte. Heldt haderte mit dem eigenen Team, aber gleichzeitig auch mit der Welt um sich herum: „Ich weiß nicht, ob Chelsea in Basel so konzentriert unterwegs gewesen ist.“

Vergeblich hatten die Gelsenkirchener, die mit sieben Punkten den dritten Tabellenplatz hinter dem bereits für das Achtelfinale qualifizierten FC Chelsea (9) und Basel (8) belegen, auf Londoner Schützenhilfe gehofft. Sie blieb ihnen verwehrt. Doch mindestens so bemerkenswert wie Chelseas Niederlage war, wie leidenschaftslos die Schalker das Spiel in Bukarest über die Bühne gebracht hatten. Beim schwächsten Gruppengegner standen sie am Rand einer Niederlage. Und nun? „Wenn man in der Champions League weiterkommen will, muss man Basel schlagen“, sagte Manager Heldt.

Trainer Jens Keller, um den sich die kritischen Diskussionen über seine Arbeitsnachweise auch nach dieser Partie weiterdrehen werden, sieht der brisanten Begegnung aber eher gelassen entgegen. „Unsere Ausgangsposition hat sich nicht verändert“, teilte er mit. „Wir freuen uns auf das Endspiel.“ Mit einem Sieg in Bukarest hätte seiner Mannschaft bereits ein Unentschieden für das Weiterkommen gereicht. Das aber wollte der Trainer offenbar ignorieren. Die Nerven aller Beteiligten dürften noch schwer strapaziert werden. Immerhin geht es neben der sportlichen Qualifikation für das Achtelfinale auch um die dafür ausgelobte Summe von 3,5 Millionen Euro. Jörg Strohschein

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