Tanzen in Berlin : Stunts auf dem Parkett

Berlin tanzte am Wochenende bei der deutschen Jazzdance-Meisterschaft.

Nico Müller
Kopf hoch. Die Berliner „The Face“ kämpften erfolgreich gegen den Abstieg. Foto: Salomon
Kopf hoch. Die Berliner „The Face“ kämpften erfolgreich gegen den Abstieg. Foto: Salomon

Berlin - Kurzer Applaus, dann absolute Stille. Zehn Tänzerinnen betreten die Tanzfläche. Ihr Blick ist starr nach vorn gerichtet, sie sind voll konzentriert. Einen Augenblick noch innehalten, dann setzt die Musik ein. Das ist der Moment, auf den die Berliner Tanzformation „The Face“ ein ganzes Jahr hingearbeitet hat. Meisterschaft, Klassenerhalt, Abstieg – alles ist möglich.

Am Samstag wurde die Deutsche Meisterschaft im Jazzdance und Modern Dance erstmalig in Berlin ausgetragen. Fast 1000 Zuschauer beobachteten im Horst-Korber-Sportzentrum am Olympiastadion gespannt die Choreographien der 14 besten Formationen des Landes. Diese, in Deutschland noch sehr junge, Tanzsportart mischt Elemente des Jazzdance und des Modern Dance und bietet den Tanzgruppen enorme künstlerische Freiheiten. Es werden keine Pflichtelemente vorgeschrieben, dafür setzt man auf Kreativität: Musikauswahl, Schrittfolgen und Sprungelemente sind frei wählbar. Dementsprechend unterschiedlich waren die einzelnen Darbietungen der Formationen. Eher klassische Nummern mit Ballett-Elementen oder wilde stuntartige Sprünge zu Elektro-Beats, dem Zuschauer wurde einiges geboten. Bewertet werden Präsentationsfähigkeit, Musikalität, Technik und Choreographie.

„Der Klassenerhalt ist unser größtes Ziel“, sagt Trainerin Katja Geisler vom Berliner Tanzverein 90 vor dem Turnier. Zweimal in der Woche trainiert sie die Bundesliga-Formation „The Face“, deren Name auf die Mimik beim Tanzen anspielt. Vor Wettkämpfen wird täglich geübt. Aufwärmen, Techniktraining, Stabilisationsübungen, dann werden immer wieder Details der Choreographie verbessert. „Das ist echter Leistungssport“, erklärt die Trainerin, die auch selbst mittanzt. Doch das Tanzen ist weitaus mehr als nur eine sportliche Betätigung. Die Tänzerinnen legen Wert auf künstlerischen Ausdruck und wollen „das Gefühl für die Musik an das Publikum weitergeben“. Die Berliner Fans waren jedenfalls begeistert und applaudierten lautstark.

Für das Finale reichte es jedoch nicht, die Wertungsrichter hatten andere Favoriten. Nach überstandener Vorrunde schied „The Face“ in der Zwischenrunde aus und musste in einer Stichrunde um den Klassenerhalt bangen. „Das war ein kleiner Schock. Wir haben uns aber noch mal extrem gesteigert“, sagt Trainerin Katja Geisler. Das wurde belohnt: Geislers Tänzerinnen setzten sich erneut durch und starten auch in der nächsten Saison in der Bundesliga. Deutscher Meister im Jazzdance und Modern Dance wurde der hohe Favorit und Serienmeister „autres choses“ vom TSC Blau-Gold Saarlouis. Er tritt im Dezember zusammen mit den Zweit- und Drittplatzierten „Imagination“ aus Schöningen und „J.E.T“ aus Goslar bei der WM in Polen an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben