Sport : Tapfer im Sturm

Ricco Groß trotzt beim Biathlon-Weltcup dem Wetter

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Antholz (dpa). Ricco Groß ist zwei Wochen vor Beginn der BiathlonWeltmeisterschaften in Top-Form. Der 33-jährige Ruhpoldinger bewies auch am Sonntag im stürmischen Antholz Nervenstärke und erkämpfte im Massenstartrennen über 15 Kilometer zum dritten Male hintereinander bei der Südtiroler Weltcup-Woche den dritten Platz. „Wenn das Ziel fünf Meter weiter hinten gestanden hätte oder der Stadionsprecher Ole nicht noch auf mich aufmerksam gemacht hätte, wäre ich Zweiter geworden“, sagte der bayerische Bundeswehr- Sportsoldat.

Überlegener Sieger mit nahezu unglaublichem fehlerfreien Schießen wurde Raphael Poiree. „Das war ein perfektes Rennen“, bestätigte der nun als erster WM-Favorit geltende Franzose. Die stürmischen Windböen konnten seine Zielsicherheit kaum beeinträchtigen. Mit 1:11,2 Minuten Rückstand rettete sich der norwegische Weltcup-Spitzenreiter Ole Einar Björndalen als Zweiter ins Ziel. Groß stürmte einen halben Meter und 0,3 Sekunden später ins Ziel. „Damit hatte ich nach den drei Liegend-Fehlschüssen nicht mehr gerechnet. Das Rennen ging lange an mir vorbei. Ausgerechnet stehend, wo ich zuletzt ein bissel unsicher war, kamen dann die Nuller“, bemerkte Groß, der mit der zweitschnellsten Zeit aller Starter auf der Schlussrunde noch einen Platz auf dem Siegerpodest erreichte.

„Das war endlich die komplexe Biathlon-Leistung, die ich mir vorstelle. Die Truppe hat sich glänzend verkauft und das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten“, meinte Frank Ullrich. Der Coach, der in Antholz seinen 46. Geburtstag feierte, lobte auch Michael Greis (Nesselwang/8., 4., 13.) sowie Nachwuchstalent Andreas Birnbacher (10. und 26.), und war vor allem vom Groß-Zielspurt im Massenstart begeistert. „Das war fulminant. So etwas habe ich bei Ricco selten gesehen. Das war ja schon mehr als phantastisch“, schwärmte Ullrich.

Den Massenstart über 12,5 km der Damen entschied die Norwegerin Linda Tjörhom mit nur zwei Strafrunden im Zielsprint um 30 Zentimeter vor der Russin Natalja Gusewa (3 Runden) zu ihren Gunsten. Die deutschen Skijägerinnen wurden am Vormittag vom Wind verblasen. Uschi Disl musste sechs Strafrunden drehen, war damit Beste am Schießstand und landete auf dem 7. Platz. „Alle hatten mit dem Sturm zu kämpfen. So gesehen war es fast schon wieder fair und für mich kein Nachteil, denn bei den Bedingungen lassen auch die guten Schützinnen Federn“, kommentierte Uschi Disl.

Bundestrainer Uwe Müßiggang tat sich angesichts der insgesamt 179 Strafrunden, von denen seine Damen bei 120 zu treffenden Scheiben allein 42 drehen mussten, mit einer Bewertung schwer. „Es wäre wohl besser gewesen, wenn man das Rennen verschoben hätte. Das ist für den Veranstalter angesichts der fest stehenden Fernseh-Übertragungen aber nicht leicht. Das Glück spielte eine große Rolle“, schätzte er ein. „Richtig bitter wäre es, wenn bei solch nicht beherrschbaren Bedingungen Weltmeister oder Olympiasieger ermittelt werden würden.

Da sollte man die Regeln ändern, vielleicht bei solchem Wind liegend auf die größeren Stehend-Scheiben schießen“, schlug er vor.

Den Sprint der Herren am Samstag hatte der 36-jährige Russe Sergej Tschepikow vor dem überraschend starken Slowenen Janez Maric gewonnen. Ricco Groß als Dritter und Michael Greis als Vierter machten Bundestrainer Frank Ullrich ein schönes Geschenk zum 46. Geburtstag. Team-Routinier Frank Luck war unmittelbar nach dem enttäuschenden 54. Platz im Sprint – seiner schlechtesten Saison- Platzierung – nach München zu Mannschaftsarzt Dr. Bernd Wolfahrt gefahren, um sich durchchecken zu lassen. „Noch im Herbst war ich voll dabei, jetzt laufe ich hinterher. Das kann doch nicht normal sein“, suchte der 36-jährige zehnmalige Weltmeister einen Grund für seine bislang völlig unbefriedigende letzte Saison.

Luck gehört aber trotzdem zum vorläufigen WM-Kader mit Andreas Birnbacher (Schleching), Michael Greis (Nesselwang), Ricco Groß (Ruhpolding), Sven Fischer, Peter Sendel und Alexander Wolf (alle Oberhof). Bei den Damen beziehen Katrin Apel (Frankenhain), Katja Beer (Altenberg), Simone Denkinger (Gosheim), Uschi Disl, Martina Glagow (Mittenwald), Andrea Henkel (Oberhof) und Kati Wilhelm (Zella-Mehlis) das WM-Vorbereitungslager im Südtiroler Ridnaun.

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