Sport : Taschentücher und Jubelschreie

Nürnberg steigt nach dem 0:2 gegen Schalke zum siebten Mal ab – Bielefeld bleibt nach dem 2:2 in Stuttgart erstklassig. Eine Konferenz

Nürnberg, 15.30 Uhr:

Die T-Shirts haben sich die meisten Nürnberger Anhänger schon vor der Partie gegen Schalke ausgezogen. Mit nacktem Oberkörper und mit der Banneraufschrift „Ihr kämpft um unser Leben“ unterstützen die Fans lautstark ihre Mannschaft, um das Unmögliche doch noch möglich zu machen: Die Franken müssen gewinnen, um in der Bundesliga zu bleiben. Zwei Punkte liegen sie hinter Bielefeld.

Stuttgart, 15.30 Uhr:
Auch für Arminia ist die Ausgangsposition nicht einfach. Auswärts war Bielefeld seit dem ersten Spieltag nicht mehr erfolgreich. Der VfB konnte dagegen die letzten sechs Heimspiele für sich entscheiden.

Nürnberg, 15.38 Uhr:
Die Nürnberger beginnen stürmisch. Marek Mintal und Angelos Charisteas scheitern aber an Manuel Neuer im Schalker Tor.

Stuttgart, 15.40 Uhr: Allen Statistiken zum Trotz: Nach einem Freistoß von Thorben Marx, den Markus Bollmann per Kopf an den Pfosten lenkt, trifft Robert Tesche im Nachschuss – das 1:0 für die Arminia. Trainer Michael Frontzeck scheint sein Team gut vorbereitet zu haben. Vor dem Spiel hatte der Klub bekanntgegeben, dass er auch bei einem Abstieg bleibt.

Nürnberg, 15.50 Uhr:
Die Angst vor dem Gang in die Zweite Liga lähmt die Mannschaft von Thomas von Heesen. Die Konsequenz: Marcelo Bordon erzielt nach einer Ecke von Christian Pander das 1:0 für Schalke, das sich damit Hoffnung auf den zweiten Tabellenplatz machen kann.

Stuttgart, 16.02 Uhr:
Obwohl Stuttgarts Trainer Armin Veh angeordnet hat, keine Ergebnisse auf der Videowand anzuzeigen, spricht sich der Zwischenstand aus Nürnberg im gut gefüllten Gästeblock herum. Jetzt entledigen sich die ersten Bielefelder Fans ihrer T-Shirts.

Nürnberg, 16.10 Uhr: Einige Nürnberger Anhängern fangen schon an zu weinen. Pure Verzweiflung löst spätestens jetzt den Glauben an das Wunder ab. Nürnberg spielt einfach zu lethargisch – mit den halbherzigen Angriffen der Franken hat Schalke kein Mühe. Symptomatisch: Marco Engelhardt passt ungenau in die Spitze. Sein Ball wird von Pander abgefangen.

Stuttgart, 16.15 Uhr: Zur Halbzeit haben rund die Hälfte der Arminia-Fans ihre Oberkörper entblößt – und sind auch lauter als der Stuttgarter Anhang. Kein Wunder: Der VfB ist in diesem Moment nicht auf einem Uefa-Cup-Platz. Und Mario Gomez vergibt gleich mehrfach.

Nürnberg, 16. 40 Uhr: Großchance für Robert Vittek, der den Ball allerdings knapp über das Tor schießt. Wie so oft in dieser Saison kann Nürnberg auch beste Möglichkeiten nicht in Tore umwandeln.

Stuttgart, 16.48 Uhr: Arminia Bielefeld hat keine Probleme, die Offensivbemühungen des VfB zu unterbinden.

Nürnberg, 16. 55 Uhr: Die Nürnberger Fans schwenken als Zeichen der Trauer weiße Taschentücher. Grund: Das 2:0 für Schalke durch Marcelo Bordon, der Sven Ulreich dieses Mal nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Knie überwindet.

Stuttgart, 17.02 Uhr: Gomez erzielt per Elfmeter das 1:1. Die Bielefelder Freude kann das nicht trüben. Die Fans verbreiten das Motto des Spiels auf einem Plakat: „Jeder Blau-weiß-schwarze spricht, die Zweite Liga reicht uns nicht.“

Nürnberg, 17.05 Uhr: Fast hätte Pander den Ball ins eigene Tor geköpft und damit den Nürnbergern zurück ins Spiel verholfen. Doch die Latte verhindert den Anschlusstreffer.

Stuttgart, 17.13 Uhr: Der eingewechselte Manuel Fischer trifft zum 2:1 für den VfB. Nur eine Minute später löst das 2:2 durch Christian Eigler ohrenbetäubende Jubelschreie der Bielefelder Fans aus.

Nürnberg, 17.19 Uhr:
200 Kilometer nordöstlich zeigt sich ein ganz anderes Bild: Die ersten Fans haben das Stadion bereits vor fünf Minuten verlassen. Ein letzter Spruch begleitet das Nürnberger Team in die Zweite Liga: „Auf Wiedersehen, die Zeit war wunderschön.“ Mit ihrem siebten Abstieg sind die Franken trauriger Rekordhalter in dieser Kategorie.

Stuttgart, 17.20 Uhr: Die Mannschaft von Arminia Bielefeld trägt schon die T-Shirts mit dem Aufdruck „Klassenerhalt“ und lässt sich von ihrem mitgereisten Anhang ausgiebig feiern.

Nürnberg, 17.30 Uhr: Frustrierte und tränenüberströmte Gesichter der Nürnberger Spieler am Mittelkreis. Nur zögerlich begeben sich die Profis zu den enttäuschten Fans, die ihrerseits den Rauswurf von Trainer und Manager fordern.

Stuttgart, 17.30 Uhr: Verkehrte Welt im Schwabenland. Die geretteten Bielefelder tanzen auf dem Rasen, während die Stuttgarter Party eher verhalten ausfällt – der VfB hat den Uefa-Cup-Platz verpasst.

Korrespondenten: Oliver Trust, Nürnberg, und Björn Gerteis, Stuttgart

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