Sport : Task Force: Das stille Ende einer Eingreiftruppe

Keine Abschiedsrede, keine offizielle Bilanz der rund achtmonatigen Arbeit: Am Mittwoch wurde in Athen die Task Force zur Rettung des deutschen Fußballs, die am 2. Juli des vergangenen Jahres in Köln nach dem Debakel der Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft ins Leben gerufen worden war, in aller Stille aufgelöst.

"Die Task Force hat ihre vordringlichsten Aufgaben erfüllt. Wir haben in Rudi Völler und Michael Skibbe eine gute Lösung für die sportlich Verantwortung gefunden. Die beiden haben in der Kürze der Zeit dazu beigetragen, dass sich das Bild der Nationalelf wieder zum Positiven gewendet hat", sagte der bisherige Task-Force-Chef Karl-Heinz Rummenigge.

Aus der Verantwortung löst sich Rummenigge für die Zukunft allerdings nicht. Denn der frühere Weltklassestürmer gehört nicht zuletzt auf Wunsch von Völler dem "Ausschuss Nationalmannschaft" an, den der neu gegründete Liga-Verband ins Leben gerufen hat. Neben dem Münchner Multi-Funktionär zählen noch die Bundesliga-Manager Reiner Calmund (Bayer Leverkusen), Dieter Hoeneß (Hertha BSC) und Michael Meier (Borussia Dortmund) zu diesem neu ins Leben gerufenen Gremium.

"Es war mein Wunsch, dass die Grundidee der Task Force weiter verfolgt wird. Auch wenn die Arbeitsgruppe jetzt einen anderen Namen trägt, bleiben Sinn und Zweck bestehen", sagte der designierte DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder, "ein starkes Bindeglied zwischen Nationalmannschaft und Bundesliga muss bestehen bleiben. Die Arbeit ist jetzt längst noch nicht erledigt."

Um auf Dauer wieder Anschluss an die Weltspitze zu gewinnen, muss laut Mayer-Vorfelder vor allem noch ein Umdenken bei den Profiklubs in Sachen Jugend-Nationalmannschaften stattfinden. "Dort gelten eigentlich die gleichen Abstellungskriterien wie bei der A-Mannschaft. Von Verbandsseite wurden diese Regeln bislang zu lasch ausgelegt, wenn die Klubs aus fadenscheinigen Gründen ihre Nachwuchsspieler nicht für den DFB freigegeben haben." Mayer-Vorfelder hofft, dass in dieser Hinsicht bei den Vereinen noch mehr Solidarität mit dem DFB an den Tag gelegt wird.

Der Leverkusener Reiner Calmund sieht es ähnlich: "Gerade im Nachwuchsbereich sind wir gefordert. Da gibt es noch viele Aufgaben. Wir haben die Dinge auf einen guten Weg gebracht und müssen die Maßnahmen nun begleiten." Ein Bindeglied zwischen Profiklubs und dem Verband sei allerdings auch in der Zukunft unbedingt notwendig.

"Naturgemäß haben Bundesliga und Nationalmannschaft unterschiedliche Interessen. Wir müssen mithelfen, dass es tragfähige Kompromisse gibt. In diesem Sinne wollen wir die Arbeit der Task Force fortsetzen. Wir müssen Völler in seinem Bemühen unterstützen, die Nationalmannschaft weiter voranzubringen", kündigte Herthas Manager Dieter Hoeneß an. Sein Dortmunder Kollege Michael Meier pflichtete bei: "Diese Einrichtung ist sehr wichtig, um Rudi Völler in Zukunft den Rücken freizuhalten."

Für Calmund wird dagegen das Thema A-Nationalmannschaft zu hoch gehängt: "Wir dürfen uns nicht zu wichtig nehmen. Bei der A-Mannschaft haben Völler und Skibbe das Sagen, da sollten wir uns gar nicht einmischen, weil sie eine gute Arbeit machen und auch in engem Kontakt zu den Klubs stehen."

Bei einer ersten Arbeitssitzung mit Liga-Präsident Werner Hackmann (Hamburger SV) und dem geschäftsführenden Liga-Direktor Wilfried Straub soll schon in den kommenden Wochen ein gemeinsamer Kurs des neuen Ausschusses festgelegt werden. "Ich betrachte uns in dieser Angelegenheit als gleichberechtigte Partner", sagt der Münchner Karl-Heinz Rummenigge. "Wir werden mit Sicherheit ohne irgendwelche Eifersüchtelein und Eitelkeiten unsere Aufgaben wahrnehmen."

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