Sport : Tasmanische Trauer

Steffen Hudemann

zittert um den Rekord einer großen Mannschaft Einen schönen Tag gab es in der Bundesligageschichte von Tasmania 1900. 80 000 Zuschauer waren am 14. August 1965, dem ersten Spieltag, ins Berliner Olympiastadion gekommen, es gab einen 2:0-Heimsieg gegen den Karlsruher SC – und das, obwohl die Mannschaft nicht aufgestiegen, sondern in die Bundesliga zwangsversetzt worden war, um den Menschen in West-Berlin eine Freude zu machen. Das misslang so gründlich, dass der DFB beschloss, zukünftig lieber sportliche Kriterien für den Aufstieg zugrunde zu legen. Nach dem ersten Spieltag gewannen die Berliner nur noch ein weiteres Spiel (für Statistiker: es war ein 2:1-Sieg gegen Borussia Neunkirchen).

Dennoch hat die Nachwelt der Tasmania viel zu verdanken. Zum einen die schlichte Poesie des Verteidigers Herbert Finken („Mein Name ist Finken, und du wirst gleich hinken“), zum anderen nahezu alle denkbaren Negativrekorde der Bundesligageschichte: Die wenigsten Punkte (8), die wenigsten Tore (15), die meisten Gegentore (108), die wenigsten verwandelten Elfmeter (0). Es waren Rekorde für die Ewigkeit. So wie nie jemand Gerd Müllers 365 Bundesligatore erreichen wird, wird nie wieder eine Mannschaft so schlecht sein wie Tasmania. Nun aber ist einer der vielen Rekorde in Gefahr – am Samstag hat Hansa Rostock sein achtes Heimspiel in Folge verloren und damit den Rekord der Tasmania eingestellt. Eine weitere Niederlage in zwei Wochen gegen Borussia Dortmund, und Rostock hat die Tasmania überholt. Es wird ein trauriger Tag für Berlin. Denn die Tasmania wird sich den Rekord nicht mehr zurückholen können. Der Verein hat sich vor 31 Jahren aufgelöst.

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