Sport : Tatenlos mutig

Karsten Doneck

Alle haben versagt, jeder in seinem Bereich. Bernd Hoffmann hat mit dem Verkauf wichtiger Spieler wie van Buyten und Boulahrouz zwar tüchtig Kasse gemacht, aber die sportliche Substanz geschwächt. Dietmar Beiersdorfer gelang es nicht, die Spieler zu holen, die man ursprünglich wollte, Milan Baros zum Beispiel oder Jefferson Farfan. Und Thomas Doll scheiterte daran, aus den vorhandenen Spielern eine erfolgreiche Mannschaft zu formen. Vorstandsvorsitzender, Sportchef und Trainer haben die Talfahrt des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV in dieser Saison gemeinsam zu verantworten. Nach langen Beratungen entschlossen sie sich gestern, die Krise nun auch gemeinsam zu meistern.

Das Festhalten an den alten, in die Erfolgslosigkeit abgedrifteten Strukturen ist mutig. Und gefährlich. Sollte sich nicht bald nach der Winterpause Besserung einstellen, ist die Schicksalsgemeinschaft Hoffmann, Beiersdorfer und Doll endgültig gescheitert. Und zwar komplett. Dann müsste der HSV alle drei Positionen neu besetzen. Eine derart umfangreiche personelle Neuorientierung erfordert Zeit. Und die hätte der HSV nicht, wenn er denn in die Zweite Bundesliga absteigen sollte und das Ziel dann der sofortige Wiederaufstieg wäre.

Erst einmal beschränken sich die handelnden Personen darauf, neue Spieler zu holen. Es ist der Versuch, die Verantwortung für die sportliche Misere auf die Mannschaft abzuwälzen. Greift die Maßnahme nicht, wird beim HSV schnell die Debatte um das gesamte Führungspersonal wieder aufleben – und zwar heftiger denn je.

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