Sport : Tausend Sorgen im tausendsten Spiel

FRIEDHARD TEUFFEL

BERLIN .Spiele von Steffi Graf in Berlin sind irgendwie immer ganz besondere.Das Einzel gestern war ihr erstes auf Sand seit ihrem Auftritt bei den French Open vor zwei Jahren, ihr erstes in Berlin seit der bedrückenden 0:6, 1:6-Niederlage gegen die Südafrikanerin Amanda Coetzer 1997 und - das ist die angenehmste Besonderheit - ihr tausendstes Spiel auf der WTA-Tour.Die Begegnung mit Sandra Nacuk ließ sich jedoch nicht wie eine Jubiläumsveranstaltung an.Sie ging eher in die Richtung ihrer Niederlage gegen Amanda Coetzer.Am Ende bekam sie aber noch die Kurve und gewann mit Mühe 2:6, 6:3, 6:4.

Drei Sätze hat sie also bei ihrem Dienstjubiläum benötigt, aber viel Glanz ist in der zweiten Runde sowieso nicht zu erwarten.Auch Anke Huber erreiche das Achtelfinale nach einem 6:4, 6:2-Erfolg gegen die Französin Alexandra Fusai.

Das erste Aufschlagspiel hat Steffi Graf gleich verloren.Ein Doppelfehler und ein Vorhandfehler aus unbedrängter Situation waren dabei die ausschlaggebenden Punkte.Zwar nahm die Weltranglisten-Sechste ihrer Gegnerin aus Jugoslawien auch zweimal den Aufschlag ab, ihren eigenen konnte sie jedoch kein einziges Mal durchbringen - 2:6, das war nach 26 Minuten das Ergebnis zahlreicher leichter Fehler und schwacher Aufschläge von Steffi Graf, aber auch der Konstanz von Sandra Nacuk.

Als die beiden ihren sportlichen Vergleich wegen eines kurzen Schauers unterbrechen mußten, hatte Graf die ersten beiden Aufschlagspiele gewonnen.2:1 lag sie vorne.Nach der Pause präsentierte sich die neunmalige Turniersiegerin nicht nur in einem farblich ansprechenderen Dreß, sondern auch mit dynamischeren Schlägen.Ihrer 18jährigen Kontrahentin verteilte sie die Bälle über den ganzen Platz, auch öfter kurz hinters Netz.6:3 gewann die ehemalige Weltranglisten-Erste Satz zwei.Den Knoten hatte Steffi Graf damit jedoch nicht durchschlagen.Doch Sandra Nacuk war die Angst, gegen eine mit Rekorden und Titeln überhäufte Spielerin zu gewinnen, deutlich anzumerken.Im Gegenzug fand Graf ansatzweise eine klare Linie.In einer entscheidenden Phase zog sie sogar einmal ihre Rückhand voll durch.Das Publikum, das anfangs mit hohen Erwartungen das Spiel verfolgt hatte und zunehmend mit enttäuschtem Seufzen reagierte, zeigte sich zum Ende hin versöhnt.

Steffi Graf weiß, daß sie sich weiter steigern muß, wenn die nächste nicht die letzte sein soll.Um ein Spiel in der zweiten Runde dürfte wohl selten soviel Aufhebens gemacht worden sein wie das von Steffi Graf gestern.Turnierdirektor Eberhard Wensky betrat in rot-weißem Jacket den Center Court und überreichte seinem Lieblingsgast einen Blumenstrauß.Die Zustimmung der 5000 Zuschauer war ihm gewiß, als er vorschlug, die Anlage an der Hundekehle in "Steffi-Graf-Stadion" umzubenennen.So war wenigstens das Nachspiel ihrer 1000.Partie bei der WTA-Tour ein außergewöhnliches: "Ich wußte gar nicht, daß es schon soweit ist", sagte Graf gerührt.Der Ort ihres Jubiläums-Matches war ihr nicht einerlei: "Es freut mich, daß es hier passiert ist.Ich bin schließlich mit dem Turnier besonders eng verbunden." Seit 17 Jahren kommt sie nun schon nach Berlin.Und dennoch ist jedesmal etwas Neues dabei.

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