Sport : Tausende und Millionen

Hoppegarten strebt beim „Preis der Deutschen Einheit“ nach mehr

von
Volles Haus. Zum Saisonauftakt im April waren die Tribünen in Hoppegarten gut gefüllt. Das soll auch heute so sein. Foto: dpa Foto: picture alliance / dpa
Volles Haus. Zum Saisonauftakt im April waren die Tribünen in Hoppegarten gut gefüllt. Das soll auch heute so sein. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin – Unter mindestens drei Millionen Dollar hat es Thomas Edward Durcan in den zurückliegenden Jahren nicht gemacht. Der 37 Jahre alte irische Jockey – in der Galoppszene Ted genannt – ist damit nicht einmal die Nummer eins in seinem Stall. Die Unterschiede werden heute besonders deutlich. Während Lanfranco Dettori, Star des Godolphin-Imperiums von Scheich Mohammed bin Rashid Al Maktoum, auf Cavalryman beim mit vier Millionen Euro dotierten Prix de l’Arc de Triomphe in Paris reitet, startet Durcan mit Cutlass Bay beim 20. Preis der Deutschen Einheit in Hoppegarten. Hier geht es „nur“ um 55 000 Euro.

Obwohl an diesem Sonntag das bedeutendste Galopprennen Europas in Longchamp ausgetragen wird, ist den stets in Blau gekleideten Godolphin-Vertreter das Rennen in Berlin offensichtlich nicht viel weniger wichtig. Geld in großen Rennen zu verdienen und damit das schon glänzende Image weiter aufzupolieren, steht über allem. Egal, ob in dem prestigeträchtigen Gruppe-I-Rennen über 2400 Meter in Frankreich, oder dem Gruppe-III-Rennen über 2000 Meter (Start 16.50 Uhr) auf der hiesigen Bahn.

„Wir sind froh, dass wir Cutlass Bay im Feld haben“, sagt Hoppegarten-Eigner Gerhard Schöningh. Im Falle des Erfolges des hochfavorisierten vierjährigen braunen Hengstes, der bisher achtmal am Start und dabei fünfmal Sieger war, könnte sich so ein Kreis beim Preis der Deutschen Einheit schließen. Die erste Auflage 1991 hatte schließlich George Augustus gewonnen, ebenfalls ein Godolphin-Hengst. Damals hatte der Zigarren-Unternehmer Zino Davidoff aus Freude über die deutsche Wiedervereinigung noch 520 000 D-Mark für das Rennen spendiert. Diesmal sieht auch der Kölner Trainer Peter Schiergen, der in dem Achterfeld die vierjährige Stute Miss Europa satteln wird, den im englischen Newmarket bei Trainer Saeed bin Suroor vorbereiteten Gast herausragen. „Miss Europa und Russian Tango werden wohl die Plätze zwei und drei unter sich ausmachen“, sagt Deutschlands einstiger Star-Jockey, der es bis 1997 auf 1451 Siege gebracht hat. Den weiteren Pferden – Falun, Illo, Schiller Danon, Usbeke und Low Key – billigen die Experten höchstens Außenseiterchancen zu.

Es ist aber kein Pferd darunter, für das die Herzen der Hoppegartener Fans besonders schlagen dürften. Mit etwas Wehmut denken sie an das Vorjahr, als 10 000 Zuschauer euphorisiert dem Acht-Längen-Vorsprung der bis dahin in Hoppegarten trainierten Stute Antara zusahen. Kurz danach kaufte sie Scheich Mohammed, der weltweit größte Pferdebesitzer. Antara wird heute unter Dettori in Longchamp am Start sein. „Von einer solchen Höchsteinstufung träumen auch wir“, sagt Marian Ziburske, dessen Westminster-Unternehmensgruppe dem Preis der Deutschen Einheit den Vornamen gibt. Der 30-Jährige sieht in diesem Rennen „einen Mythos in Hoppegarten, den es zu erhalten und zu fördern gilt“.

Ein Besucherplus in dieser nun mit acht Rennen (erster Start 13.20 Uhr) endenden Saison von 17 Prozent und ein Umsatzzuwachs von sogar 26 Prozent zeigen Gerhard Schöningh, dass man auf dem richtigen Weg ist. Diese erfreuliche Bilanz habe vor allem auch mit den hochklassigen Pferden aus großen Ställen zu tun. „Wir sind noch nicht am Ziel“, sagt Schöningh. Heute noch wird so mancher Besucher in Hoppegarten träumen, wenn er die TV-Übertragung aus Paris verfolgt – wenn der Prix de l’Arc de Triomphe dort schon um 16.05 Uhr über die ganz große Bühne des Galoppsports geht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben