Sport : Tauwetter auf Planet Ice

Weil es kein Eis gab, schickten die Hamburg Freezers über 8000 Eishockeyfans zum Fußball

Claus Vetter

Berlin. „Welcome on Planet Ice“, so lautet ein Slogan der Hamburg Freezers, dem jüngsten Mitglied der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Mit viel Brimborium in schmucker neuer Riesenarena feierte der Klub am 15. November sein Debüt in Hamburg. Der Beginn einer erstaunlichen Erfolgsgeschichte in der vormaligen Eishockey-Provinz. Zu den ersten sechs Heimspielen der Freezers kamen insgesamt 54 000 Zuschauer. Das Volk hatte Spaß. Jedenfalls bis Sonntag. Denn da herrschte in der Color Line Arena Tauwetter. Weil die Eisanlage ausfiel, wurde der zweite Werbespruch der Freezers zum Lacher: „Nirgendwo ist das Eis kälter“ – von wegen. Beim Spiel der Freezers gegen die Kassel Huskies am Sonntag waren die Pfützen auf dem Eisplaneten riesengroß. Die Partie musste beim Stand von 2:1 nach einem Drittel abgebrochen werden.

Die Kühlanlage ließ sich auf die Schnelle nicht reparieren, Schiedsrichter Axel Rademaker wartete die vorgeschriebenen 45 Minuten ab, dann war Schluss. Betrüblich für die Freezers, unzumutbar für die Zuschauer. Geduldig hatten mehr als 8000 Fans auf die Fortsetzung der Partie gewartet. Dann vertröstete sie Freezers-Manager Boris Capla mit Freibier und dem Angebot, zum halben Preis das Fußball-Bundesligaspiel zwischen dem Hamburger SV und dem VfL Bochum in der benachbarten AOL-Arena zu besuchen. Wenigstens war es beim HSV kälter als bei den Freezers.

Viele Zuschauer verschmähten Caplas Offerte. Sicher, den Manager traf keine Schuld an der Panne. Doch wer hat die Verantwortung für den Abbruch? „Das Kühlsystem war blockiert und nicht in der Lage, die in 26 Kilometer langen Rohren umlaufenden 20 000 Liter Salzsole herunterzukühlen“, sagt der Hallenchef der Color Line Arena, Uwe Frommhold. Diese dilettantischen Maschinen. Gab es Menschen, die in Reparaturabsicht den Kampf gegen die störrische Apparatur angenommen haben? „Natürlich haben wir fieberhaft versucht, die Maschine wieder hochzufahren“, sagt Frommhold. „Aber die Arbeiten waren zu umfangreich, die Zeit zu knapp.“

Für die DEL ist der Fall Freezers ein Novum, das schnell vergessen werden soll, findet Geschäftsführer Gernot Tripcke. „Niemand hat mit Absicht die Kühlanlage blockiert“, sagt Tripcke. „Das Spiel wird im Februar nachgeholt.“

Um die verprellte Kundschaft müssen sich indes die Freezers, deren Name zu Deutsch so viel wie „Einfrierer“ heißen soll, kümmern. 1000 Fans aus Kassel waren nach Hamburg gekommen. Den Anhängern soll sogar die Anreise zum Wiederholungsspiel bezahlt werden, die Zuschauer aus Hamburg sollen Freikarten bekommen. Die Frage, wie sehr die neuen Hamburger Eishockeyfans vom Tauwetter am Sonntag genervt sind, werden die Freezers schon heute beantwortet bekommen. Dann wird das Volk mit den Füßen abstimmen, wenn der Klub in der Color Line Arena gegen Augsburg spielen will.

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