Sport : Team Telekom: Wieder hilft der Kapitän

Hartmut Scherzer

Erik Zabels Beine wirbelten auf der Mönckebergstraße wie auf der Via Roma. Nach Mailand-San Remo gewann der schnellste Radsprinter der Welt auch das Weltpokalrennen HEW-Cyclassics in Hamburg und hätte damit wieder Chancen, seinen Vorjahrstriumph in diesem Wettbewerb zu wiederholen. Nach 251 Kilometern und 5:58:58 Stunden schlug Zabel im Massenspurt des arg geschrumpften Feldes den Weltmeister Romans Vainsteins (Lettland) und den im Weltpokal führenden Holländer Erik Dekker.

Der Holländer hatte den Spurt angezogen, aus dessen Windschatten der Telekom-Star mühelos vorbeiflog. Mit erhobenen Armen, strahlendem Gesicht und einer Radlänge Vorsprung raste der 31-jährige Berliner über die Ziellinie. Nach sieben Rennen führt Dekker mit 269 Punkten vor Zabel (200 Punkte), der aber nach seinem Sieg keinen besonderen Ehrgeiz bekundete, dem Holländer das Weiße Trikot in den verbleibenden drei Rennen noch abzujagen. "Man muss auch abgeben können", sagte Zabel und gab sich gönnerhaft. Am nächsten Sonntag in Zürich wird der Sieger von Hamburg nicht starten. Dort ist der zurzeit in bester Form fahrende Jan Ullrich für den Sieg vorgesehen.

"Ich war guter Dinge und locker drauf." Mit dieser Gelassenheit war Zabel nach zweiwöchigem Urlaub auf Mallorca ins Rennen gegangen. "Alle haben schon gedacht, der hat keine Lust mehr und bräunt sich nur", erzählte Zabel lachend. "Aber ich habe sehr, sehr viel trainiert, täglich sechs Stunden, so dass meine Familie schon sauer war. Aber es hat sich gelohnt." Zabel feierte seinen 23. Sieg der Saison, den siebten in einem Weltpokalrennen und 140. in seiner Karriere. Und mit dem Telekom-Star hat das Hamburger Rennen im vierten Jahr seines Weltpokal-Status endlich einen promninenten Sieger. Die Entscheidung schien beim dritten und letzten Anstieg auf den Waseberg, eine steile Rampe in Blankenese von 600 Metern Länge und einer Steigung von 16 Prozent, 15 Kilometer vor dem Ziel gefallen. Dekker, mit den beiden Italienern Bettini und Rebellin im Schlepptau, trat an und fuhr davon. Doch sechs Kilometer vor dem Ziel wurde das Trio wieder eingefangen vor allem durch das Tempo, das Jan Ullrich an der Spitze der Gruppe bolzte.

"Erik und Jan waren heute beide super", freute sich Sportdirektor Rudy Pevenage. Außer Ullrich war nur noch Andreas Klöden vom Team Telekom in diesem Pulk. "Heute hat man gesehen, dass Radsport ein Mannschaftssport ist", sagte Ullrich und strahlte. "Ohne uns hätte Erik nicht gewonnen und ohne ihn hätten wir als Team nicht gewonnen." Mit Unbehagen an den Hinterrädern war das Team Telekom in Hamburg losgefahren.

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