Teamgeistbeschwörung : Wie sich die Nationalelf auf die EM vorbereitet

Früher war es Spiez, dann Malente. Inzwischen bereitet sich die deutsche Fußballnationalmannschaft auf Sardinien vor – meist ohne Ball, aber dafür mit allen Annehmlichkeiten eines Luxushotels.

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Unter der Sonne Italiens. Die Nationalmannschaft hat auf Sardinien schöne Aussichten, aber ein hartes Programm. Foto: dpa
Unter der Sonne Italiens. Die Nationalmannschaft hat auf Sardinien schöne Aussichten, aber ein hartes Programm.Foto: dpa

Das Hotel Romazzino thront wie eine weiße Burg auf einem Hügel am Meer. Erhaben, ein bisschen verwinkelt und garantiert uneinnehmbar. Weil die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in den nächsten Tagen in diesem Luxusresort an der Costa Smeralda logiert, gilt ab sofort die höchste Sicherheitsstufe. Kein Zutritt für Unbefugte, und unbefugt sind bis zur Weiterreise des DFB-Trosses nach Südfrankreich quasi alle außer den Spielern, Trainern, Betreuern und ausgewählten Hilfskräften. Das Hotel verfügt dem Vernehmen nach über alle Annehmlichkeiten, es liegt an einer schnuckligen Bucht, die nur auf dem Wasserweg zu erreichen ist, und man könnte fast meinen, dass das Mittelmeer dort noch ein bisschen smaragdgrüner schimmert als am Rest der Smaragdküste. Es ist nicht einmal übertrieben, dass der Deutsche Fußball-Bund auf seiner Internetseite von einer „Reise ins Paradies“ berichtet.

Der Aufenthalt im Nordosten Sardiniens wird offiziell als Regenerationstrainingslager geführt, das der aktiven Erholung vor der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine dienen soll. Frauen, Freundinnen und Kinder sind offiziell zugelassen, doch wenn der Eindruck nicht täuscht, wird dieses Angebot in diesem Jahr weit weniger in Anspruch genommen als noch in der Vergangenheit. Es hat sich offensichtlich herumgesprochen, dass von einem entspannten Familienurlaub am Meer keine Rede sein kann.

Jürgen Klinsmann hat auf Sardinien eine neue Tradition begründet. Foto: ddp
Jürgen Klinsmann hat auf Sardinien eine neue Tradition begründet.Foto: ddp

Jürgen Klinsmann hat das Regenerationstrainingslager vor der WM 2006 in den Veranstaltungskalender aufgenommen. Damals ging es ebenfalls nach Sardinien, und in den Zeitungen war anfangs noch von einer „Wellness-Woche mit Kind und Kegel“ die Rede. Am Ende stöhnten die Nationalspieler bei Krafttraining und Steigerungsläufen unter der sardischen Sonne, auch die üblichen Folterinstrumente wie Medizinbälle und Gummibänder kamen gehäuft zum Einsatz. Diesmal wird es kaum anders sein. „Die Spieler können sich auf ein intensives und umfangreiches Programm gefasst machen“, hat Bundestrainer Joachim Löw angekündigt, bevor er sich fürs erste von der Mannschaft verabschiedete, um sich das DFB-Pokalfinale anzuschauen. Löw wird heute auf Sardinien erwartet.

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