Sport : TeBe im Hoffnungslauf: Der Verein gibt sich vor Gericht noch nicht geschlagen

Karsten Doneck

Dem Herrn mit den silbergrauen Haaren scheint eine gewisse Unerschütterlichkeit eigen zu sein. Ruhig und besonnen trägt er seine Argumente vor. Jeder im Saal 123 des Landgerichts Frankfurt (Main) spürt, da sitzt ein Anwalt, der im Paragraphen-Dschungel zu Hause ist. Und doch bekam am Mittwoch zu mittäglicher Stunde das Bild von Götz Eilers, Chef-Justiziar des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), einige Kratzer ab. Verhandelt wurde da der Antrag von Tennis Borussia. Der Verein machte in erster (staatlicher) Instanz gegen den Lizenzentzug durch den DFB mobil. Angestrebt wurde eine einstweilige Verfügung, die TeBe die Wiederaufnahme in die Zweite Bundesliga zusichern sollte. Der Vorsitzende Richter Günter Kinnel und seine beiden Beisitzer Richard Kästner und Meinrat Wösthoff lehnten den TeBe-Antrag nach einstündiger Verhandlung und ebenso langer interner Beratung ab.

Und das überraschte die Mehrheit der 22 Prozessbeobachter dann doch. Die bessere Figur vor Gericht hatte zuvor TeBe-Anwalt Mathias Jung (31) gemacht. Und zwar eindeutig. Götz Eilers, sein Gegenspieler vom DFB, lobte in seinem Plädoyer zwar überschwänglich den Vorbildcharakter der DFB-Statuten für andere Fußball spielende Nationen, konnte aber die von TeBe reklamierten Widersprüche beim Lizenzierungsverfahren, gerade auch im Falle von Kapitalgesellschaften, keineswegs schlüssig widerlegen. "Sehr selbstgefällig", fand denn auch Michael Plassmann, TeBe-Pressesprecher und selbst ausgebildeter Jurist, den Vortrag von Eilers.

Hin und wieder mischte sich auch Godehard Puckler, ein Wirtschaftsprüfer und Mitglied des DFB-Lizenzierungsausschusses, in die Debatte ein. Sehr zum Leidwesen von Götz Eilers offenbar. Eilers fühlte sich gleich zwei Mal bemüßigt, die mehr emotional geprägten Ausführungen von Puckler zu unterbrechen, weil diese kübelweise Wasser auf die Mühlen der Gegenseite gossen.

Die TeBe-Verantwortlichen erfuhren das Urteil, als sie gerade in einem Frankfurter Café saßen - mit Blick auf die Mauern des Gerichtsgebäudes. Das vor ihnen auf dem Tisch stehende Mineralwasser wollte danach weder Erwin Zacharias, dem Vereinschef, noch dessen Begleiter Michael Plassmann richtig munden. Klar, ein Urteil gegen den mächtigen DFB und für dessen lächerlich kleines Mitglied Tennis Borussia hätte bundesweit für enormes Aufsehen gesorgt. Wollten die verantwortlichen Richter solchem Wirbel aus dem Weg gehen? Sie, die sich gegenüber der Argumentation des Klägers TeBe während der Verhandlung so aufgeschlossen gezeigt hatten? "Ich hatte nicht den Eindruck, dass die den Knoten durchschlagen wollen", stellte Plassmann nicht ganz zu Unrecht fest.

TeBe rechnet damit, dass schon heute die schriftliche Urteilsbegründung in der Geschäftsstelle eintrifft. Der Verein begibt sich dann in den Hoffnungslauf, indem er postwendend die Berufung vor dem Oberlandesgericht vorbereiten wird. "Je höher das Gericht, desto mehr beschäftigt es sich auch mit Grundsatzfragen", meint Plassmann. Vier Wochen beträgt die Einspruchsfrist gegen das Urteil aus erster Instanz. Doch TeBe drückt aufs Tempo. "Wegen der Dringlichkeit der Angelegenheit werden wir um einen Termin bis zum 30. Juni bitten", sagt Plassmann. Unabhängig davon geht der Verein jetzt aber auch daran, seine Unterlagen für die dritte Liga zusammenzustellen. "Es wäre fahrlässig, das nicht zu tun", so Plassmann. Der Sponsor, die Göttinger Gruppe, hat signalisiert, auch dann weiter zur Verfügung zu stehen, allerdings "nicht im bisherigen Umfang", wie Zacharias betont.

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