Sport : TeBe oder Samoa

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Sie sind ja schon wieder in Berlin, Herr Gutendorf. Offensichtlich fühlen Sie sich hier wohl.

Ich stelle hier mein Buch „Mit dem Fußball um die Welt“ vor. Aber Sie haben schon Recht, es gefällt mir, was aus der Stadt geworden ist. Die in Berlin leben können, sind privilegiert.

Dazu könnten Sie auch bald zählen …

In der Tat, ich überlege, meinem alten Verein Tennis Borussia als Berater zu helfen. Dass ich Sportdirektor werden wollte, stimmt allerdings nicht.

Haben Sie nach 40 Jahren internationaler Tätigkeit ein Land, dem bei der WM jetzt Ihre Sympathie mehr gilt als Deutschland?

Das nicht. Aber ich verfolge schon, wie sich etwa die Chinesen verkaufen, die ich vor zehn Jahren betreut habe.

Und – zufrieden?

Ehrlich gesagt, die haben sich seitdem nicht weiterentwickelt. Liefern da so eine schwache Partie gegen Costa Rica ab, ohne Taktik. Mit mir wäre das nicht passiert.

Was hätten Sie denn anders gemacht?

Wenn der Gegner stärker spielt, muss man sich eben nach hinten zurückziehen, mit einem Riegel spielen. Ich habe das in Ruanda gemacht, und wir haben immerhin Kenia geschlagen, den Gruppenfavoriten.

Welche Chancen haben die Deutschen? Wer holt den Titel?

Ich muss sagen, die Engländer haben mich sehr beeindruckt, denen traue ich den Titel zu. Die Deutschen haben gut angefangen, aber was für ein Gegner war das auch. Der Trainer der Saudis ist ja ein Turnlehrer, keine Ahnung vom Decken …

Die Deutschen kommen also nicht weit?

Mir macht Sorgen, dass wir keine großen Innenverteidiger mehr haben. Der Metzelder hat viel Talent, aber er ist noch nass hinter den Ohren. Wir haben keinen wahren Spitzenspieler außer Oliver Kahn. Der ist allerdings ein Highlight, ein Torwart von Gottes Gnaden. Mir hat imponiert, dass Völler den Jancker gegen alle Widerstände aufgestellt hat. Völler kann toll mit den Spielern umgehen, wird auch noch dazulernen, wie Beckenbauer damals. Sonst bietet sich keiner als Teamchef an – außer mir natürlich. Ha, kleiner Spaß am Rande.

Wie sehen denn nun Ihre Zukunftspläne aus?

Neben der TeBe-Geschichte habe ich ein Angebot aus Samoa, das würde mich reizen.

Das Gespräch führte Martín E. Hiller.

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