Sport : Tee in Wimbledon

Das letzte Tennismatch des Goran Ivanisevic

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London – Goran Ivanisevic streifte das rotweiß karierte kroatische Fußballtrikot über und verließ zum letzten Mal als Spieler den Centre Court in Wimbledon. „Mein Gott, wie werde ich das alles vermissen“, sagte der Kroate und feierte mit den 14 000 Zuschauern, die sich von ihren Sitzen erhoben hatten, seinen Abschied vom Tennis, der perfekter nicht hätte inszeniert werden können.

Die Sonne strahlte an diesem Freitag erstmals wieder vom Himmel über London, im Drittrundenmatch stand ihm in Lleyton Hewitt sein Nachfolger aus dem Jahr 2002 als Wimbledon-Champion gegenüber. Und der legendäre Centre Court war die angemessene Bühne für das finale Match einer großen Karriere, die mit dem Triumph in Wimbledon 2001 ihren spektakulären Höhepunkt hatte. Nach drei verlorenen Endspielen gelang es Ivanisevic als bisher Einzigem, mit einer Wildcard die All England Championships zu gewinnen.

Obwohl das Match gegen Hewitt glatt in drei Sätzen verloren ging, fühlte sich der 32-Jährige wie ein Gewinner. „Für mich ist es schon ein Sieg gewesen, wieder hier sein zu können.“ Zwei Mal musste er auf die Titelverteidigung verzichten, weil ihn diverse Verletzungen davon abgehalten hatten, weiter Tennis zu spielen. Eine Schulteroperation brachte keine Linderung, sondern verlängerte die Leidenszeit nur noch. „Wenn ich gewusst hätte, was auf mich zukommt, hätte ich mich nicht operieren lassen.“ Aber so wollte Ivanisevic nicht aufhören. Verbissen kämpfte er um sein Comeback, das ihn ein letztes Mal nach Wimbledon führen sollte.

Den ersten Titel holte Ivanisevic 1990 in Stuttgart auf dem Weissenhof, den letzten und wichtigsten seiner insgesamt 22 Turniersiege feierte er vor drei Jahren in Wimbledon. Es war sein einziger Grand-Slam-Erfolg. „Mein Kopf sagt mir, dass es vorbei ist. Aber begreifen kann ich es noch nicht.“ Glücklich und traurig sei er gleichermaßen, dass die 15 Jahre an einem so schönen Tag zu Ende gegangen sind. Ivanisevic hat gegen alle Großen seiner Zeit gespielt: von John McEnroe über Jimmy Connors bis hin zu Pete Sampras, der ihm in Wimbledon den Traum vom Titel gleich zwei Mal (1994/1998) verdorben hat.

Nun sind Schinderei und Quälerei vorbei. „Kein Training mehr, keine Behandlungen mehr und vor allem keine Schmerztabletten mehr.“ Ivanisevic soll nun Kapitän des kroatischen Daviscup-Teams werden und in dieser Funktion Niki Pilic ablösen, der mit Deutschland drei Mal den Pokal geholt hat. Nach Wimbledon will er ntürlich wieder kommen. Dann allerdings wird er im Anzug in der Loge der Champions auf dem Centre Court sitzen und Punkt fünf den gereichten Tee schlürfen. dpa

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