Sport : Teilweise gedemütigt

Der furiose VfB Stuttgart lässt selbstzufrieden wirkenden Bremern beim 4:1 keine Chance

Oliver Trust[Stuttgart]

Im langen Gang, der im Daimlerstadion zum Mannschaftsbus des angereisten Teams führt, ging es diesmal nur schleppend voran. Das muss wohl so sein, wenn eine Mannschaft wie Werder Bremen, die in der Vorrunde fast nichts schuldig blieb und für ihren berauschenden Fußball zurecht in den Himmel gelobt wurde, nach der Winterpause gleich zweimal innerhalb einer Woche als Verlierer vom Platz geht. Schon das 0:2 gegen Schalke im Weserstadion tat weh. Gestern setzte es sogar ein 1:4 (1:3) in Stuttgart, das teilweise einer Demütigung gleichkam. „Wer sich so auskontern lässt, der kann nicht sagen, er wäre eine Spitzenmannschaft“, klagte Werders Manager Klaus Allofs. „Aber besser, wir haben diese schlechte Phase jetzt als gegen Ende der Saison.“ Schließlich könne man jetzt noch reagieren. Nach dem Spiel in Stuttgart muss allerdings die Frage erlaubt sein, wie Werder denn regieren will.

So sprach sich Werder Mut zu vor einer Woche, die weitere schwere Aufgaben stellt: erst Ajax Amsterdam im Uefa-Cup, dann der Hamburger SV in der Bundesliga. Was die Mannschaft in Stuttgart abgeliefert hatte, war wenig meisterlich. Redlich verdiente sich dagegen der VfB Stuttgart die drei Punkte nach den Toren von Roberto Hilbert, Mario Gomez, Ludovic Magnin und Marco Streller und dem zwischenzeitlichen 1:2 durch Diego.

Klaus Allofs beklagte nach der deutlichen Niederlage nicht zu Unrecht, es sei wohl eine Spur zu viel Selbstzufriedenheit im Werder-Kader aufgekommen: „Das muss sich schnell ändern.“ Zufriedener wirkte da schon Stuttgarts Trainer Armin Veh, auch wenn er sich bescheiden freute. Einen verdienten Sieg habe er gesehen, „aber nicht in dieser Höhe“. In Stuttgart muss man wohl erst lernen, mit der eigenen Spielstärke umzugehen.

Der VfB hatte den besseren Start, die Führung der entschlossen wirkenden Schwaben fiel schon nach drei Minuten. Antonio da Silva hatte den Schweizer Nationalspieler Ludovic Magnin am linken Flügel gesehen, dessen beherzte Flanke Neu-Nationalspieler Mario Gomez verpasste. Hinter Gomez aber war Roberto Hilbert mitgelaufen. Der hatte keine Mühe, den Ball an Tim Wiese vorbei ins Netz zu schießen. Nur sieben Minuten später vergab Gomez überhastet die gute Chance zum 2:0. Allein vor Wiese schob er den Ball neben das Tor. Nur langsam fruchteten die Bemühungen der Bremer, das Spiel besser unter Kontrolle zu bekommen. Stuttgart überraschte die oft indisponierte Werder-Hintermannschaft immer wieder mit schnellen Gegenangriffen. So auch in der 16. Minute, als Cacau Gomez anspielte, der mit einem beherzten Sprint allen entwischte und vor den Augen von Bundestrainer Joachim Löw zum 2:0 einschoss. Es war sein zwölfter Saisontreffer. Sein Nationalmannschaftskollege Miroslav Klose, der trotz einer Handverletzung aufgelaufen war, konnte sich dagegen nicht so oft wie gewohnt in Szene setzen.

Bei den Bremern klaffte zwischen Mittelfeld und Abwehr eine zu große Lücke. Dennoch erholte sich Werder vom Rückstand und kam durch Diego zum 1:2-Anschlusstreffer. Der Brasilianer zeigte sich unbeeindruckt von den schlechten Nachrichten aus seiner Heimat, wo sein Vater kürzlich wegen versuchten Mordes festgenommen worden ist. Um ein Haar wäre Diego sogar noch das 2:2 gelungen. Timo Hildebrand rettete gegen seinen Schuss.

Doch nur drei Minuten später schlugen die wie aufgedreht wirkenden Schwaben zurück. Der Schuss des ehemaligen Bremers Magnin prallte vom Innenpfosten zum 3:1 ins Tor. Bremens Abwehr hat wohl selten in dieser Saison eine derart schwache Hälfte gezeigt. „Wer so spielt hat es nicht verdient, Deutscher Meister zu werden“, sagte Nationalspieler Torsten Frings. „ Sechs Punkte Rückstand auf Schalke sind aber noch aufzuholen.“

Nach der Pause konnte Bremen zwar Spielanteile zurückerobern, die überzeugende Aufholjagd blieb jedoch aus. Erst nach einer guten Stunde kam Klose zu zwei Torchancen, bei denen er jedoch das Ziel verfehlte. In der Schlussphase scheiterten die Gäste immer wieder an Timo Hildebrand, der – wie vor allem 20 Minuten vor dem Ende gegen Tim Borowski – mehrfach überragende Paraden zeigte. Auf der Gegenseite gelang dann dem eingewechselten Marco Streller kurz vor Schluss sogar noch das 4:1.

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