Sport : Telenovela mit Speichen

Mathias Klappenbach

freut sich schon auf die nächste Tour de France Gequälte Gesichter in sengender Sonne auf dem langen Weg zum Gipfel, halsbrecherische Manöver in engen Kurven bei den viel zu schnellen Abfahrten. Und alles in Nahaufnahme. Sie werden uns wieder ans Herz wachsen, die Helden der Straße, jeden Tag ein bisschen mehr. Denn wir kennen sie jeden Tag ein wenig genauer, während der langen Etappen gibt es nicht nur viel über die Weinanbaugebiete am Rand der Strecke und die Geschichte der Etappenorte zu lernen. Nach zwei der drei Wochen der besten Telenovela dieses Sommers wissen wir alles über die Protagonisten, deretwegen die Vorabendserie verschoben wird, weil sie heute vielleicht nicht ganz so unmenschlich schnell durch Frankreich gerauscht sind wie sonst.

Wir werden aufschreien vor mitgefühltem Schmerz bei den Massenstürzen und den verrenkten Leibern, die gerade auf den Asphalt oder in die Zuschauer geknallt sind. Wir werden hoffen, dass sich keiner von unseren Lieblingen verletzt hat, die uns mit ihrem Kampfgeist, den anstrengenden Helferdiensten für ihren Chef oder ihrem unglaublichen Antritt nach 220 Kilometern auf der Zielgeraden so sehr beeindruckt haben. Die Nebenrollen bei der Tour de France sind hervorragend besetzt, von viel versprechenden jungen Darstellern. Das ist wichtig. Die berühmten Hauptdarsteller Jan Ullrich und Lance Armstrong haben zwar immer noch diesen alten Streit, doch ein Ende ist wie bei jeder Telenovela absehbar.

Aber keine Angst. Große Duelle hat es im Sport und bei der Tour schon immer gegeben, und es wird sie auch nach dem letzten Aufeinandertreffen des besten und des zweitbesten Radfahrers der vergangenen Jahre geben. Die Plätze von Ullrich und Armstrong werden von anderen übernommen werden, die jetzt noch Nebenrollen spielen. Was bleibt, ist die Tour. Und die erfindet sich jedes Jahr neu. Die nächste Telenovela kommt bestimmt.

Alles zum Tourstart auf Seite 20

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