Sport : Tempo geht vor Sicherheit

Sandro Cortese holt den WM-Titel in der Moto3.

Halber Hampelmann. Sandro Cortese bejubelt den Gewinn des Weltmeistertitels in Kuala Lumpur. Foto: Reuters
Halber Hampelmann. Sandro Cortese bejubelt den Gewinn des Weltmeistertitels in Kuala Lumpur. Foto: ReutersFoto: REUTERS

Kuala Lumpur - Andächtig lauschte Sandro Cortese der deutschen Hymne, womöglich realisierte er den historischen Moment gerade zum ersten Mal. Im strömenden Regen von Kuala Lumpur hatte der 22-Jährige aus dem schwäbischen Berkheim nicht nur den vierten Saisonsieg in der neu eingeführten Moto-3-Klasse gefeiert, sondern auch den vorzeitigen Gewinn der Motorrad-WM. „Das war überwältigend. Ich wollte eigentlich auf Platz drei bleiben. Dann habe ich gedacht: ,Versuch’s einfach mal, ohne etwas zu riskieren.’ Ich bin jetzt fix und alle“, sagte Cortese nach seinem Sieg beim Großen Preis von Malaysia. Vor den letzten WM-Läufen in Australien und in Valencia im November hat Cortese mit 280 Punkten uneinholbare 73 Zähler Vorsprung vor dem einzig verbliebenen Konkurrenten, dem Spanier Luis Salom.

Cortese ist nach Werner Haas (1953), Dieter Braun (1970) und Dirk Raudies (1993) der vierte deutsche Weltmeister in der aktuell kleinsten der drei Motorradklassen. Der verdiente Lohn für eine überlegene Saison stand allerdings schon länger fest: der Aufstieg in die Moto-2-Klasse, in der Stefan Bradl im Vorjahr den Titel geholt hatte. Bradl fährt in der höchsten Klasse MotoGP in diesem Jahr allerdings nicht mehr um Siege mit. Am Sonntag schied er beim Erfolg des Spaniers Dani Pedrosa nach einem Sturz aus und blieb zum dritten Mal in dieser Saison ohne Punkte. Immerhin übermittelte Bradl seinem Freund Cortese Glückwünsche: „Was will man mehr, das ist perfekt.“

Entsprechend ausgelassen sollte der Triumph auch gefeiert werden. „Heute Abend wird die Sau rausgelassen“, kündigte Cortese an, dessen Eltern extra zum Rennen angereist waren. Vater Antonio fasste den Tag so zusammen: „Das ist jetzt die Krönung, uns ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen. Das schafft nicht jeder Fahrer.“ Es sei klar gewesen, dass sein Sohn auf Sieg fahren werde.

Im 15. Saisonrennen hatte sich Cortese vor Zulfahmi Khairuddin und dem Deutschen Jonas Folger durchgesetzt. Der neue Weltmeister verteidigte nach dem Start Rang drei und ging kein Risiko ein. An der Spitze wechselten sich Khairuddin und Folger ab, Cortese blieb im Windschatten. Salom musste jedoch früh abreißen lassen. Damit war klar: Cortese muss den dritten Rang nur noch ins Ziel fahren. Doch er wollte mehr, griff in den letzten Runden an, überholte Khairuddin und gewann sogar noch. „Ich wollte einfach zeigen, dass ich kein Fahrer bin, der nur auf Sicherheit fährt“, sagte Cortese. dapd

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