Sport : Tempo und Task Force

Die Geständnisse beschleunigen das Anti-Doping-Gesetz – härter wird es nicht

Friedhard Teuffel

Berlin - Doping wirkt leistungssteigernd und eine Dopingdebatte nicht unbedingt leistungsmindernd. Erik Zabel kam jedenfalls bei der ersten Etappe der Bayern-Rundfahrt immerhin als Vierter ins Ziel. Und wie ein kleiner Sieg dürfte dem Profi des Teams Milram vorgekommen sein, dass ihm am Start des Rennens in Garmisch-Partenkirchen mehrere hundert Zuschauer applaudiert haben – trotz seines Doping-Geständnisses in der vergangenen Woche oder vielleicht gerade deswegen. „Es ist ein schönes Signal, dass ein so erfolgreicher und sympathischer Sportler nicht platt gemacht wird“, sagte Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer.

Die wichtigeren Signale kamen gestern jedoch aus Berlin. Die Bundesregierung äußerte sich zu ihrem Anti-Doping-Gesetzentwurf. Das in den vergangenen Tagen sichtbar gewordene Ausmaß des Betrugs hat die große Koalition allerdings nicht zum Umdenken veranlasst. Sie bleibt bei ihrer Vorlage. Das bedeutet: In Zukunft soll der Besitz nicht geringer Mengen von Dopingmitteln bestraft werden. Bei der Verfolgung von Straftaten im Zusammenhang mit Dopinghandel dürfte auch das Bundeskriminalamt eingesetzt werden. Zudem gibt es Strafverschärfungen und Warnhinweise bei Arzneimitteln, die für Doping geeignet sind. Darauf hatte sich die Regierung vor den Geständnissen verständigt, und dabei bleibt sie nun auch. Nur wird jetzt alles ein bisschen schneller gehen. Sollte das Gesetz ursprünglich erst nach der parlamentarischen Sommerpause verabschiedet werden, so ist nun die erste Lesung für Mitte Juni geplant und die Verabschiedung für Anfang Juli. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte: „Alle haben es sicherlich eilig.“

Geändert hat die neue Wahrheitsliebe der Radprofis noch eins: Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) kündigte am Mittwoch noch einmal an, eine „Task Force“ einzusetzen. Sie soll überprüfen, ob Steuereinnahmen für Dopingmittel missbraucht worden sind. Die jüngsten Geständnisse hatten schließlich auch die staatliche Förderung des Spitzensports unter Rechtfertigungsdruck gebracht. Clemens Prokop, der Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, appellierte an die Bundesregierung, fünf Prozent der staatlichen Sportförderung in die Doping-Bekämpfung zu investieren. Das wären bei einer staatlichen Fördersumme von rund 150 Millionen Euro etwa 7,5 Millionen Euro jährlich.

Die Opposition im Deutschen Bundestag blieb auch gestern dabei, dass der Gesetzentwurf nicht ausreiche. Winfried Hermann, sportpolitischer Sprecher der Grünen, fordert nach wie vor einen Straftatbestand Sportbetrug. „Alle können sich schuldig machen, nur der Athlet nicht. Das ist nicht in Ordnung.“

Die geständigen Radsportler hätten auch mit dem neuen Gesetz keine strafrechtlichen Folgen zu befürchten gehabt. Es sei denn, bei ihnen wären größere Mengen an Dopingsubstanzen gefunden worden. Dann hätte die Staatsanwaltschaft ihnen Handel unterstellen können. Das ist eine der wichtigsten Änderungen, die die Koalition mit ihrem Gesetz anstrebt. Kritiker hatten jedoch gefordert, auch den Besitz von kleinen Mengen zu bestrafen.

Was sich jetzt ändern muss, um wieder näher an den Anspruch vom sauberen Sport zu rücken, hat Sylvia Schenk erläutert. Sie war von 2001 bis 2005 Präsidentin des Bundes Deutscher Radfahrer. „Wenn man etwas gegen Doping tun will, dann muss man wissen, was im Moment in Mode ist. Sonst kann man nicht ausreichend kontrollieren“, sagte sie. Die Geständnisse bezögen sich schließlich alle auf längst verjährte Taten. „Wenn wir nur wissen, wie Epo bis 2001 genommen wurde, dann können wir aktuell nichts unternehmen.“ mit dpa

Medienseite: ARD und ZDF verlängern ihre Verträge mit der Tour de France vorerst nicht.

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