Tennis : Aufschlag vor Gericht

Der Deutsche Tennis-Bund klagt gegen die drohende Aberkennung des Master Status’ für das renomierte Rothenbaum-Turnier.

Petra Philippsen

HamburgRafael Nadal gehört zu der Sorte Spieler, die nicht lange fackelt. In seinen Matches sucht er stets den direkten Weg zum Punktgewinn und auch abseits des Tennisplatzes kommt er sofort zur Sache: „Die ATP hat keinen Respekt vor der europäischen Sandplatzsaison. Und Hamburg ist ihnen wohl nicht so wichtig“, wetterte der Weltranglistenzweite noch vor seinem ersten Aufschlag beim Masters am Hamburger Rothenbaum. Nadals Ärger gründet sich auf den Streit, der seit Monaten um den Turnierkalender für die nächste Saison entbrannt ist. Hamburg würde dann nach dem Willen der Profivereinigung ATP den Status als Masters Turnier verlieren und in den Juli verlegt werden.

Für die Traditionsveranstaltung wäre die Aberkennung ein herber Schlag, ist man bisher doch das wichtigste deutsche Turnier. Aber ohne, dass es zu der Gruppe der neun wichtigsten Veranstaltungen nach den vier Grand- Slam-Turnieren gehört, werden die Topstars künftig einen Bogen um den Rothenbaum machen. Und auch die potenziellen Geldgeber halten sich angesichts der unsicheren Zukunft zurück, ein Titelsponsor ist noch nicht gefunden. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) zog im Kampf um den Status vor ein Gericht im US-Bundesstaat Delaware, dem Sitz der ATP, und klagt gegen „unbillige Ausnutzung des Monopols“.

DTB-Präsident Georg von Waldenfels reist in dieser Woche nach Boston, um sich dort noch einmal mit seinen Anwälten zu besprechen. Die Beweisaufnahme sei weitgehend abgeschlossen, ein Urteil wird jedoch erst Anfang August erwartet: „Der Kampf David gegen Goliath geht weiter. Und wir sind optimistisch“, betonte von Waldenfels. Ob das vehement demonstrierte Selbstvertrauen tatsächlich begründet ist, bleibt abzuwarten, doch mit einem Urteil im Sinne des DTB ist vermutlich nicht zu rechnen. Von Vorteil könnte jedoch sein, dass ATP-Chef Etienne de Villiers zuletzt immer heftiger in die Kritik geraten ist. Der Südafrikaner hat den neuen Kalender maßgeblich verantwortet und sich für die Ablösung des Hamburger Turniers stark gemacht.

Als jahrelanger Präsident des europäischen Sektors des Disney-Konzerns hat de Villiers eine Affinität zum amerikanischen Markt und stärkt seit seinem Amtsantritt Anfang 2006 besonders die Turniere in Übersee. Ende des Jahres läuft sein Vertrag aus. 20 Spitzenspieler, darunter Nadal, haben nun eine Petition unterschrieben, in dem die Entscheidungsträger der ATP aufgerufen werden, den Vertrag mit de Villiers nicht unbesehen zu verlängern. „Es muss jemand oben stehen, der allen Turnieren die gleiche Chance gibt“, fordert Nadal, der bereits die Änderungen des diesjährigen Kalenders scharf kritisiert hat: „Der Turnierkalender war immer hart, aber jetzt könnte es kaum schlimmer kommen. Drei Masters Turniere in vier Wochen sind unmöglich. “

Auch der Weltranglistenerste Roger Federer bezweifelt, dass es für die Topspieler noch möglich ist, in Monte Carlo, Rom und Hamburg erfolgreich zu spielen. Zudem würde auch er Hamburg gerne als Masters Turnier beibehalten: „Es wäre sehr schade, wenn ich zum letzten Mal hier wäre. Ich habe das Turnier vier Mal gewonnen, und es ist immer etwas Besonderes für mich gewesen, da ich hier meinen Durchbruch geschafft habe.“ Die Spieler würden für das Turnier kämpfen, betonte Federer, ebenso taten es etliche seiner Spielerkollegen. „Wir haben bei der ATP schon etwas zu sagen. Aber man kann eben nicht alles diktieren“, sagte Federer, der jedoch auch weiß, wie gering der Einfluss der Spieler auf ihre eigene Vertretung geworden ist.

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