Tennis - Australian Open : Roger Federer und das Glück in Melbourne

Der Schweizer Tennisstar Roger Federer startet selbstbewusst in die Australian Open – trotz starker Konkurrenz.

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Spaßfiguren. Roger Federer gefällt es in Melbourne sichtlich.
Spaßfiguren. Roger Federer gefällt es in Melbourne sichtlich.Foto: dpa

Der Schweizer Roger Federer hatte das mit dem „Kid’s Day“, dem Tag der offenen Tür für Kinder im Vorfeld der Australian Open, offenbar ziemlich wörtlich genommen. Denn als der 33 Jahre alte Schweizer am Samstag unter dem Gekreische und Applaus der kleinen Fans in die Rod-Laver-Arena einlief, saß auch erstmals seine eigene Familie komplett am Spielfeldrand. Neben seiner Frau Mirka nicht nur seine fünfjährigen Töchter Charlene und Myla, sondern auch die knapp acht Monate alten Zwillinge Lenny und Leo. Die beiden Jungs schienen sich dabei nicht so sehr für ihren Papa als vielmehr für das quietschgelbe Maskottchen zu interessieren, mit dem Federer ein paar Bälle schlug. Dafür wurde zumindest schnell offensichtlich, warum der erste Grand Slam der Saison für den Schweizer der „Happy Slam“ ist. Bei keinem anderen Major-Turnier wirkt Federer so glücklich wie in Melbourne.

„Alles hier ist so relaxed, die Stadt ist nicht zu groß, alle sind nett und hilfsbereit und das Wetter ist meist richtig schön“, sagte Federer, „besser geht es doch kaum.“ Und viel besser könnte sich auch der Weltranglistenzweite derzeit kaum fühlen. Nach einer starken Saison mit 73 gewonnenen Matches, fünf Titeln, dem historischen Davis-Cup-Triumph als krönendem Abschluss – und nun legte Federer in der vergangenen Woche mit dem Titel in Brisbane und seinem 1000. Karrieresieg gleich eindrucksvoll nach. „Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben“, sagte Federer, „ich spiele wirklich gut – und das ist dann doch anders als im letzten Jahr vor den Australian Open.“ Damals war der viermalige Melbourne-Sieger mit sehr viel Unruhe angereist.

„Vor einem Jahr waren es so viele Veränderungen“, sagte Federer, „jetzt hat sich alles beruhigt, alles eingespielt. Auch mit Stefan.“ Die Zusammenarbeit mit seinem Kindheitsidol Stefan Edberg hatte in Melbourne begonnen, nach zwölf Monaten hat sich ihre Verbindung bewährt. Dass der 49-jährige Schwede auch in dieser Saison für zehn Wochen an seiner Seite sein wird, macht Federer sichtlich froh. „Es hat keine fünf Minuten gedauert“, berichtete der Schweizer von den Verhandlungen mit Edberg am Rande der Tour-Finals in London im November. Edberg willigte sofort ein, überließ sogar seinem Schützling die Entscheidung, welche zehn Wochen er für ihn einplanen soll. „Stefan war da sehr flexibel, es ging alles ganz einfach“, sagte Federer, „ich freue mich wirklich sehr, dass er noch ein weiteres Jahr mit mir macht.“

Der Hauptanteil der Trainerarbeit obliegt weiter Severin Lüthi, doch der Input und das Zusammensein mit Edberg hatte zweifellos einen positiven Effekt auf den Rekord-Grand-Slam-Champion. „Roger spielt jetzt wesentlich aggressiver als früher“, sagte der kanadische Shootingstar Milos Raonic, „ansonsten ist Roger eben immer noch Roger.“ Im Finale von Brisbane hatte Raonic zuletzt zu spüren bekommen, dass es für ihn und den Rest der jungen Tennisprofis wie Kei Nishikori oder Grigor Dimitrov immer noch eine enorme Herausforderung werden wird, die großen Favoriten ab Montag in Melbourne zum Straucheln zu bringen.

Auch in Down Under hat sich an den Machtverhältnissen zu Saisonbeginn nichts geändert. Für Stan Wawrinka sind Federer und Novak Djokovic die großen Favoriten – sich selbst zählt der Titelverteidiger nicht dazu, dafür jedoch den nach monatelanger Verletzungspause zurückgekehrten Rafael Nadal: „Wenn Rafa durch die erste Woche kommt, dann hat er Selbstvertrauen und ist sehr gefährlich.“ Andy Murray, der die besten Vier bisher komplettierte, aber im letzten Jahr nach seiner Rückenverletzung und der Trennung von Trainer Ivan Lendl nur schwer in Tritt kam, hat den Schweizer dagegen auf der Rechnung. „Ich bin sehr gespannt, wie Stan damit umgeht, Titelverteidiger zu sein. Er wird sicher mit großem Selbstvertrauen spielen.“

Murray selbst sieht sich einer Albtraum-Auslosung gegenüber, mit Dimitrov, Federer und Nadal in seiner Hälfte sowie Djokovic als möglichem Finalgegner. „Es wird eine echte Herausforderung für mich“, meinte der Weltranglistensechste, „aber ich fühle mich viel besser als im letzten Jahr.“ Es könnten tatsächlich etwas offenere Open werden, denn sogar der Branchen-Beste Djokovic tritt nach Grippe und Magen-Darm-Problemen leicht angeschlagen an. Das Training am Samstag musste er abbrechen, inwieweit ihm am Ende der zwei Wochen die Puste ausgehen könnte, bleibt abzuwarten. Dennoch ist der Serbe der Mann, den es in Melbourne zu schlagen gilt. Und es kann am Ende eben nur für einen ein echter „Happy Slam“ werden.

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