Sport : Tennis Borussia: 75 Prozent Gehalt oder der Konkurs

Karsten Doneck

Nachdenklich zogen die 60 Mitarbeiter von dannen. Da hatte ihnen ihr Arbeitgeber, der fast schon abgestiegene Fußball-Regionalligist Tennis Borussia, auf einer eigens einberufenen Versammlung gerade ein Sanierungskonzept vorgestellt, wie "diese Saison noch seriös über die Bühne gebracht werden könne", so TeBe-Vorstandsmitglied Michael Plassmann. Den Mitarbeitern wurde praktisch die Pistole auf die Brust gesetzt. Die Wahlmöglichkeiten für die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft sowie für die anderen Angestellten sind nicht eben verlockend: Entweder sie verzichten auf 25 Prozent ihrer Bezüge bis zum 30. Juni, also einschließlich der noch ausstehenden März-Gehälter auf einen vollen Monatslohn. Oder? Die Alternative dazu lautet: TeBe leitet das Insolvenzverfahren ein und macht den Laden möglicherweise noch in dieser Saison ganz dicht. Eine Woche lang haben die Vereinsangestellten nun Zeit, über diesen Vorschlag nachzudenken.

Die dramatische Entwicklung bei Tennis Borussia wurde hervorgerufen durch den sofortigen Rückzug des bisherigen Sponsors, der Göttinger Gruppe, in dieser Woche. Ein neuer Geldgeber, der in der misslichen Lage einspringt, fand sich in der Kürze der Zeit nicht. Aus verständlichen Gründen, wie Michael Plassmann zugibt. "Wenn man Letzter in der Regionalliga ist, ist das ja nicht unbedingt die beste Visitenkarte", sagt er.

Auf rund 600 000 Mark pro Monat belaufen sich derzeit die Festkosten bei TeBe. Dass überhaupt noch Geld vorhanden ist, um die Saison notfalls mit 75 Prozent der Bezüge für die Angestellten über die Runden zu bringen, hängt damit zusammen, dass sich Tennis Borussia durch den Besitz des Grundstücks in Niederschönhausen, das die Göttinger Gruppe als Abschiedsgeschenk hinterlassen hat, über die Pachteinnahmen hinaus auch noch Kredite von Banken verspricht. Der Wert des Grundstücks wird mit rund fünf bis sechs Millionen Mark taxiert.

Laut Michael Plassmann gehört zum Sanierungskonzept auch, dass die Arbeitsverhältnisse mit den Spielern allesamt zum 30. Juni dieses Jahres auslaufen sollen. Manch längerfristig gebundener Akteur müsste dazu freilich erst noch sein Einverständnis geben. "Unsere Situation verlangt Zugeständnisse", sagt Plassmann und das klingt fast schon flehentlich. Ende Mai oder Anfang Juni soll eine Mitgliederversammlung stattfinden - sofern TeBe dann noch existiert.

Einige Spieler sehen sich bereits nach neuen Arbeitgebern um. Torwart René Renno und Manuel Cornelius stellten sich unlängst beim FC St. Pauli vor, ihre Mannschaftskollegen Fabian Wohlgemuth und Tony Sterjowski waren bei RW Essen zum Probetraining.

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