Sport : Tennis Borussia: Alt und lebendig

Daniel Sterl

Die Jubiläumsparty war gut. Verdammt gut. Am Freitag haben wir unserem Klub gratuliert, Tennis Borussia, dem besten Verein der Welt. Heute feierte unser Verein einen schönen Geburtstag, TeBe wird 100 Jahre alt. Wir wollten nicht mehr warten; wir wollten feiern, im Loft, einem Klub in Schöneberg. Dort heizten am Freitagabend drei Männer aus dem Fanblock mit TeBe-Punkrock-Krachern ein; unsere Antwort: "God save TeBe!" Tags darauf ging die Feier weiter - beim Oberligaspiel in Rathenow. Im Regionalzug haben wir unser Bier ignoriert und mit Sekt angestoßen, um dann von unserer Mannschaft ein prima Spiel zu sehen. Hätten die Jungs gewusst, dass mit Benny Wendt einer der großen Helden aus alten Bundesligazeiten anwesend ist, sie hätten in Rathenow bestimmt mehr als nur drei Tore geschossen.

Motivationsprobleme sind dieser Mannschaft fremd. Ganz im Gegensatz zu jenen Spielern, die vor zwei Jahren mit TeBe in der Zweiten Liga spielten, ihre volle Konzentration aber nur auf das Geldverdienen richteten. Die Göttinger Gruppe hat schließlich üppig gezahlt. Doch die Göttinger hätten sich vorher mal über Fußball schlau machen sollen. Jetzt sind sie weg und wir haben ein übles Veilchen verpasst bekommen. Das Image ist schlecht, die Mannschaft spielt in der Vierten Liga. Und Geld hat der Verein auch nicht mehr.

Als am 9. April 1902 zwölf Sportfreunde, fast alles Studenten, den Klub als Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia gründeten, war an diese Probleme nicht zu denken. Eine Mannschaft musste zusammengestellt und erste Meisterschaften gewonnen werden. So erlebte TeBe in den Zwanziger- und Fünfzigerjahren seine besten Zeiten und lieferte sich große Duelle mit Hertha BSC. Vor 50 Jahren zog unser Verein noch in der Stadt, da kamen in einem Freundschaftsspiel schon mal 75 000 Zuschauer. Wie gegen Tottenham. Oder Casablanca. Die Einführung der Bundesliga aber kam zu spät, TeBe wurde zweitklassig, und plötzlich interessierte sich kaum noch jemand für unseren Verein.

Doch so richtig hatte es das letzte Jahrzehnt in sich. Kurz nach dem Fall der Mauer stieg Jack White bei TeBe ein. Er sprach von der Bundesliga. Eine Stange Geld hat er in die Mannschaft gesteckt, und fortan hatten wir das miese Image eines Nobelklubs. Vor neun Jahren schlug uns blanker Hass entgegen, aus Köpenick, von den Fans des 1. FC Union. Der Anlass war bizarr: Union wurde die Zweitliga-Lizenz wegen einer gefälschten Bankbürgschaft verweigert und TeBe durfte als Zweiter der Aufstiegsrunde nachrücken. Die Zweitligasaison verlief kläglich. TeBe verlor so ziemlich jedes Wochenende 0:1, und aus den Stadionlautsprechern tönte: "Is everybody happy, yeah yeah" von David Hasselhoff - eine Jack-White-Produktion. Heute lachen wir darüber. Doch plötzlich trat Jack White überraschend als Präsident zurück, und die Jungs aus Göttingen pumpten jede Menge Geld in unseren Klub. Nach dem Aufstieg in die Zweite Liga sprach die Vereinsführung von der Champions League. Das Resultat ist bekannt. Nach dem Zwangsabstieg im Jahr 2000 und einer in allen Belangen desolaten Regionalliga-Saison ist unserem Verein ein ordentlicher Neuanfang gelungen. Unser Verein ist verdammt alt. Aber er lebt.

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