Sport : Tennis Borussia: Auch in letzter Instanz scheitert TeBe

Karsten Doneck

Wie man mit Niederlagen umgeht, das hat Tennis Borussia in der vorigen Saison auf dem Spielfeld zur Genüge geübt. Doch die bitterste Niederlage widerfuhr dem Klub erst nach Saisonende. Gestern verkündete das Oberlandesgericht Frankfurt (Main) das Urteil im Lizenzierungsstreit zwischen TeBe und dem Deutschen Fußball-Bund. Der DFB habe im Rahmen der Überprüfung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu Recht zwei unabhängige Bankbürgschaften verlangt, teilte die Vorsitzende Richterin Brigitte Tilmann mit. In der Urteilsbegründung heißt es weiter, der finanzielle Ausgleich sei von Tennis Borussia nur versprochen, aber nicht erbracht worden. Die Quintessenz aus solch feinfühligen Formulierungen: TeBe muss endgültig hinunter in die Regionalliga und startet dort am 28. Juli mit einem Heimspiel gegen RW Essen in die neue Saison. Die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Teilnahme am Spielbetrieb der dritten Liga habe TeBe erfüllt, teilte der DFB gestern mit. Wenigstens das.

TeBe hatte bis zuletzt darauf gepocht, die Etatunterdeckung im eingereichten Finanzplan für die Spielzeit 2000/2001 sei durch das vorhandene Vereinsvermögen, bestehend aus Immobilien und dem Wert der Spieler, ausreichend abgesichert. Eine Einschätzung, die niemand teilte. Weder der DFB noch das Landgericht und auch nicht in letzter Instanz das Oberlandesgericht. "Dies ist eine wichtige Entscheidung für den Lizenzfußball, weil die Grundsätze des Verfahrens vom Gericht bestätigt worden sind", frohlockte Ligadirektor Wilfried Straub, "damit wird das gesamte System in den ersten beiden Ligen gestützt, und die beteiligten Vereine werden geschützt." Eine Meinung, der TeBe-Geschäftsführer Michael Plassmann widerspricht: "Es ist paradox: TeBe verfügt über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und bekommt trotzdem keine Lizenz." Aber auch Plassmann weiß: "Jetzt haben die Gerichte zwei Mal gegen uns entschieden. Das müssen wir akzeptieren."

TeBe hat nachgerechnet, dass dem Verein durch den Zwangsabstieg rund 35 Millionen Mark durch die Lappen gehen. Diese Summe setzt sich zusammen aus entgangenen Fernseheinnahmen und Transfererlösen. Die TeBe-Profis hatten allesamt nur Verträge für Liga eins und zwei, können damit ablösefrei wechseln. Manche TeBe-Spieler haben schon neue Arbeitgeber gefunden, nun dürfen sie auch offiziell dort anheuern: Ciric bei Eintracht Frankfurt, Rösler beim FC Southampton, Akrapovic in Cottbus, Tredup beim 1. FC Union, Ouakili bei Mainz 05, Copado in Unterhaching, Hilfiker beim SSV Ulm - und wer da sonst noch so folgt.

Von einer finanziell schweren "Altlast" wird TeBe dagegen befreit. Der Vertrag von Trainer Winfried Schäfer, der mit einem Jahresgehalt von knapp zwei Millionen Mark Topverdiener bei TeBe war, gilt zwar bis zum Jahr 2002, aber auch nur für Erste und Zweite Liga. Eine Trennung von Schäfer scheint beschlossene Sache. Zusammen mit dem Aufsichtsrat beriet der TeBe-Vorstand gestern alle Personalien hinter verschlossenen Türen - "bis in die späten Abendstunden hinein", so Plassmann. Die lange Tagungsdauer lässt darauf schließen, dass TeBe - entgegen aller Vorankündigungen - noch kein fertiges Konzept in der Schublade hatte, wie es im Falle des Zwangsabstiegs in die Regionalliga weitergehen solle. "Wir werden", verspricht Plassmann ungerührt, "in der neuen Saison eine Mannschaft mit Charakter haben, die mit Herz Fußball spielt."

Favorit auf den Trainerposten ist Robert Jaspert, der sich eine Woche lang bis Sonntag mit einem bunt gemischten Spielerkader in der Sportschule Kienbaum aufhält - zwecks Vorbereitung auf die Regionalliga?

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