Tennis Borussia Berlin : Ein bisschen Aufbruch

Fußball-Sechstligist Tennis Borussia präsentiert nach einem Jahr mit blanker Brust zur neuen Saison einen Trikotsponsor - und schielt heimlich auf den Aufstieg in die Oberliga.

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Die bekannten Vereinsfarben der "Veilchen" von Tennis Borussia Berlin: Lila-Weiß.
Die bekannten Vereinsfarben der "Veilchen" von Tennis Borussia Berlin: Lila-Weiß.Foto: dpa

Markus Schatte scheint sehr zufrieden zu sein mit seinem neuen Abwehrchef. Mats Wejsfelt verfügt mit 32 Jahren über ausreichend Erfahrung, und in seiner schwedischen Heimat hat er sogar mal in der Zweiten Liga gespielt. Es gibt nur einen Haken. „Ich kenne ihn persönlich gar nicht“, sagt Schatte, der Trainer des Berlinligisten Tennis Borussia, der am Samstag mit einem Heimspiel gegen den Berliner SC (Mommsenstadion, 14 Uhr) in die neue Saison startet. Wejsfelt wird dann noch fehlen, „aufgrund privater Verpflichtungen“, wie Schatte sagt. Es ist eine freundliche Umschreibung dafür, dass der Schwede noch in Urlaub ist.

Für den Trainer eines Fußball-Sechstligisten sind solche Probleme nicht ungewöhnlich. Auch deshalb ist es nahezu unmöglich, die Stärke der Vereine kurz vor dem Saisonstart seriös einzuschätzen. Schatte war jedenfalls „sehr überrascht“, dass TeBe von der „Fußballwoche“ gerade zu einem der Favoriten auf den Aufstieg in die Oberliga ernannt wurde. Da müsse man „erst mal ganz vorsichtig sein“, sagt er. Im Amateurfußball ist die personelle Fluktuation zwischen den Spielzeiten traditionell groß; niemand weiß, wie die Teams aussehen. Dazu gibt es immer wieder Gerüchte von Klubs, die plötzlich zu Geld gekommen sind.

Tennis Borussia gehört definitiv nicht dazu – auch wenn sich die Finanzlage des Traditionsvereins seit der zweiten Insolvenz entspannt hat. Auch deshalb hatte TeBe am Montag zu einem Empfang nach Steglitz geladen. Aufbruchstimmung sollte verbreitet werden, und dazu trug auch die Nachricht bei, dass der Klub nach einem Jahr mit blanker Brust einen neuen Hauptsponsor gefunden hat. Das Steglitzer SI Hotel wirbt künftig auf den Trikots von Tennis Borussia. „Wir erhoffen uns auch einen Gegenwert“, sagt Seniorchef Klaus- Volker Stolle. Genauso wichtig ist die emotionale Komponente. Stolle war in den Neunzigern mal Präsident des Vereins, er zählt zu den alten Förderern, die TeBe in der Vergangenheit oft genug aus der Patsche helfen mussten. „Wenn sich ein Alt-Tennis-Borusse wieder zu Tennis Borussia bekennt, hat er offenbar eine positive Meinung von unserer Arbeit“, sagt der Vorsitzende Roland Weißbarth.

Dazu passt der Auftritt von Ehrenpräsident Heiner Pietzsch beim Empfang am Montag. Der bekannte Kunstsammler war zuletzt auf Distanz zu dem Klub gegangen, dem er mehr als 60 Jahre angehört – weil er einfach keine Lust mehr hatte, immer angepumpt zu werden, wenn bei TeBe wieder mal das Geld knapp war. Nun ergreift er das Wort und spricht ein „großes Kompliment an die jetzige Vereinsführung“ aus. Geduld und Nachhaltigkeit propagiert Weißbarth. Der Etat für die neue Saison beträgt 100.000 Euro. Zur Erfüllung der ganz großen Träume reicht das nicht. Vielleicht aber für den kleinen von der Oberliga.

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