• Tennis Borussia: Das leidige Thema Trainerfrage steht bei TeBe noch an - egal, in welcher Liga

Sport : Tennis Borussia: Das leidige Thema Trainerfrage steht bei TeBe noch an - egal, in welcher Liga

Karsten Doneck

Das Frage- und Antwortspiel neigte sich dem Ende zu. Es drohte in Belanglosigkeiten zu versanden. Da tastete sich ein älterer Herr durch die Meute der Journalisten an Winfried Schäfer heran. "Ich will ihnen ja nicht zu nahe treten", sagte der Mann - und hatte es von der Distanz her doch längst geschafft, auf Hörweite zu Schäfer zu sein. Er nutzte die Gunst des Augenblicks, um die Fragerunde beim Trainingsauftakt von Tennis Borussia am vorigen Montag fortzusetzen. Kommunikation zwischen treuem Anhänger und erfolglosem Trainer.

Ausgestattet mit geschliffener Rhetorik versuchte der Mann sachlich-dezent und keineswegs schwafelnd, den TeBe-Trainer an seine Verantwortung zu erinnern für das desolate Abschneiden der Mannschaft in der vorigen Saison und wollte wissen, ohne das explizit auszudrücken, ob Schäfer denn nicht endlich den Weg für einen Nachfolger frei machen wolle. Winfried Schäfer fühlte sich unter solch drängenden Fragen spürbar unwohl. Erst suchte er laue Erklärungen, dann drängte es ihn Schritt für Schritt zurück in die schützende Kabine des Mommsenstadions, schließlich verschwand er ganz von der Bildfläche. Schäfer und Tennis Borussia - das leidige Thema ist noch nicht ausgestanden. "Ich plane für die Zweite Liga", behauptet Schäfer nach wie vor stur und in der schwachen Hoffnung, dass die Borussen in der Berufungsverhandlung gegen den Lizenzentzug vor dem Oberlandesgericht Frankfurt (Main) mehr Erfolg haben als die Mannschaft unter seiner Führung in der zweiten Saisonhälfte auf dem Fußballplatz. Ob er denn auch in der Regionalliga bei TeBe arbeiten würde, wurde er gefragt? Schäfer antwortete: "Das entscheide ich zusammen mit Herrn Zacharias." Erwin Zacharias, der TeBe-Vorstandsvorsitzende, ist so ziemlich der letzte treue Weggefährte, der Schäfer in Berlin noch geblieben ist.

Heinz Pietzsch zum Beispiel, der dem TeBe-Aufsichtsrat angehört, hat zum Thema Schäfer unlängst klar Stellung bezogen. "Eins nach dem anderen", sagt Pietzsch, "jetzt warten wir erstmal die Gerichtsentscheidung ab, dann reden wir über alles Andere." Das Andere - das ist auch Schäfer. Pietzsch bezieht da klar Stellung. "Die Verpflichtung dieses Trainers war einer der größten Fehler, die wir begangen haben", sagt er. Und weiter: "Sollten wir die Lieznz doch noch bekommen, wäre ich gegen eine Weiterverpflichtung dieses Trainers." Pietzsch nennt gute Gründe für seine eindeutige Haltung: "Er hat die Spieler gegeneinander ausgespielt und damit das Klima in der Mannschaft vergiftet. Er hat einen Großteil der Mannschaft und die gesamte Presse gegen sich - und damit auch gegen den Verein - eingenommen."

Das sind Argumente, die Zacharias bei halbwegs realer Sicht der Dinge nicht vom Tisch wischen kann. "Es gibt derzeit keine Personalentscheidungen", flüchtet sich Zacharias deshalb erst einmal ins Unverbindlich-Allgemeine. Irgendwann wird er Flagge zeigen müssen. Auch in der Trainerfrage.

0 Kommentare

Neuester Kommentar